Weihnachten in Isoko

So ab dem 23. Dezember merkt man doch, dass einige Vorbereitungen für Weihnachten im Gange sind – was sich vor allem in Einkäufen ausdrückt. Alles pilgert nach Katengele. Wir bleiben diesmal unten, hören den Messias und schreiben hunderte von Nachrichten mit den Kindern hin und her. Mit den Eltern Klingner können wir kurz telefonieren, das ist ein besonderes Erlebnis und war noch vor wenigen Jahren undenkbar. Möglich macht das unser Sohn und WhatsApp, das ich inzwischen in seiner Unkompliziertheit sehr liebe…

Weihnachtsbäckerei musste natürlich auch sein, eine besondere Herausforderung ohne Ofen

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Erdnuss- Pfannenkekse (vielleicht sollten wir mal ein Afrika- Kochbuch schreiben…)

In einem der Büros des Krankenhauses hing ein sehr zerknautschter Herrnhuter Stern und Dr. Shibanda meinte, dass er sich doch sehr gut im Wochenbett- Zimmer machen würde. Die Beleuchtung ist erstaunlicherweise noch intakt und wir haben ihn so gut es ging notdürftig ausgebeult.

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Ziemlich mitgenommen… Aber er leuchtet!

Also, wenn jemand mal nach Isoko kommt und noch ein Gastgeschenk überlegt, ein neuer Stern wäre was sehr Schönes…  Der Stern, der in der Kirche hängt, leuchtet dafür mit heilen Zacken das ganze Jahr über von der Decke herunter.

Ich glaube, den Müttern und Babys gefällt das Licht und es bringt ein bisschen besondere Stimmung für alle, die über Weihnachten im Krankenhaus bleiben müssen.

Am Freitag ware die Mama mit den überraschenden Zwillingen nochmal da zum Wiegen (die kleinen Zwillinge aus dem letzten Blogbeitrag) und erfreulicherweise haben beide Kinder schön zugenommen und machen einen fitten Eindruck. Das ist ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk für mich 🙂

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Schon 100 gr zugenommen auf stolze 1600 Gramm und „fit wie ein Turnschuh“

Da es hier in Isoko keine extra Gottesdienste im Advent gibt, können wir manchmal die Adventssingstunden in Königsfeld über das Internet mitfeiern. Wir haben jetzt auch einen Trick raus, wie es am besten klappt: Ton über das Handy und Bild über das Tablet – dieses hängt sich zwar immer zwischendurch auf, aber man kann die Gesichter schön sehen. Die Gesten der Chorleiterin passen dann zwar meisten nicht zur Musik, aber darüber kann man hinwegsehen. Jedenfalls haben wir es schön bequem beim Kirchgang, da wir Euch ja zwei Stunden voraus sind und uns ab halb 10 Uhr abends fast die Augen zufallen. Dann machen wir es uns unter dem Moskitonetz gemütlich

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bequemer Kirchgang

So – jetzt aber zu Weihnachten:

Am 24.12. morgens konnten wir die Christmette in Königsfeld per Internet verfolgen und sind dann hier in Isoko in den Gottesdienst gegangen. Der war recht „normal“ und wir haben nur ab und zu das Wort „Christmas“ verstanden.

Wir haben vom Krankenhaus als Weihnachtsgeschenk einen halben Sack Reis, 1 Kg Zucker, eine Kiste süßen Sprudel und etwa 30 Eier bekommen – das sollte uns eine Weile reichen. Da wir die vielen Eier beim besten Willen in nächster Zeit nicht verbrauchen können, bin ich mittags ins Krankenhaus hoch gegangen und habe, zusammen mit den Krankenschwestern, den verbleibenden Patienten jeweils zwei Eier in die Hand gedrückt. Schließlich haben sie hier in der Angehörigen- Küche keine Hühner und müssten Eier relativ teuer kaufen.  Das gab viele überraschte und erfreute Gesichter 🙂

Nachmittags hatte uns Enea (die gerade ihren Jahresurlaub in Mbeya verbringt) gebeten, den in der Nähe wohnenden Waisenkindern Reis und Soda als Weihnachtsgeschenk zu verteilen. Knapp 30 Kinder kamen mit einigen ihrer Angehörigen, bzw. Betreuerinnen. Schon letzte Woche hatten Asekisye und Stephan Reis in 1Kg- Beutel abgefüllt und jetzt wurden diese, nach vielen Fotos, an die Kinder verteilt – und jeweils 2 Soda- Flaschen (das war sicher das „bessere“ Weihnachtsgeschenk in den Augen der Kinder…)

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Das obligatorische offizielle Bild…

Danach sollten alle Kinder noch ihren Hand- Umriss aufmalen und ihren Namen dazu schreiben. Es war rührend zu sehen, mit welchem Eifer, aber auch zum Teil sehr unbeholfen, die Kinder sich dieser Aufgabe gewidmet haben.

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ganz ernsthaft bei der Sache

Erschreckend viele von den frisch gebackenen Müttern im Krankenhaus sind kaum in der Lage, ihren Namen auf die Geburts- Urkunde ihrer Kinder zu schreiben. Bildung ist ein so wichtiger Schlüssel zu einem selbst bestimmten Leben!

Nachdem die Waisen- Kinder gegangen waren, konnten wir die Kleine Christnacht in Königsfeld verfolgen und danach mit unseren Kindern und unserer Freundin skypen, die zusammen im weihnachtlichen Wohnzimmer bei uns zu Hause gefeiert haben (ich liebe die modernen Kommunikations- Medien…).

Am nächsten Tag, dem 25.12., der auch hier als das eigentliche Christfest gefeiert wird, sind wir gleich früh um halb 8 nach Kafule gelaufen. Wir wollten dort in den Gottesdienst gehen, da das angekündigte „Hosianna“ aufgeführt werden sollte. Zuvor gab es Chapatti, wieder im Haus von Mr. Mbughi, bei dessen Familie wir für den Tag eingeladen waren.

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Mama Mbugi in ihrer Küche beim Chapatti backen. Wellholz ist eine Colaflasche…

Die Kirche war mit frischen Zweigen in den Fenstern geschmückt und das erste Lied hatte eine überraschend bekannte Melodie:

Das angekündigte „Hosianna“- Lied war zwar sehr schön und wurde schwungvoll und voller Begeisterung gesungen – hatte allerdings, außer einer Textzeile, nichts mit „unserem“ Hosianna zu tun. Nun ja, da hätten wir wahrscheinlich bei den Proben mit dabei sein müssen. Macht nichts, so war es auch schön (leider klappt das mit dem Hochladen von Filmen nicht gut – die Datenmengen sind zu groß, deshalb jetzt nur ein Bild. Das mit dem Film holen wir dann in Königsfeld nach)

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Die Kinder sind nur Zuschauer, aber es hat ihnen auch gefallen!

Die Predigt hielt die Mama Mchungaji, die Frau des Pfarrers, locker 1,5 Stunden lang. Sie hatte einen Kanga (ein Tuch mit einem Spruch unten drauf) umgebunden, den ich die ganze Zeit vor Augen hatte und der in dieser Zeit mein Gebet wurde:

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Ee Mungu nipe uvumilivu – Gott, gib mir Geduld!

Anschließend waren noch Wieder- Aufnahmen in die Gemeinde (meistens Frauen, die unverheitatet Kinder bekommen haben und unter die hier immer noch praktizierte „Kirchenzucht“ gefallen waren) und Taufen von 6 Kindern (da waren auch die Kinder dieser Frauen dabei) – dann, nach geschlagenen 4 Stunden, war dieser Festgottesdienst – fast- vorbei:  vor dem Kirchengebäude werden immer noch Lebensmittel zugunsten der Kirche verkauft, diesmal waren sogar zwei lebende Hühner dabei.

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Von Avocados bis Feuerholz – alles meistbietend versteigert

Anschließend waren wir zum Festessen eingeladen, ganz selbstverständlich und für uns sehr schön. Es gab Pilau, einen gewürzten Reis – das scheint ein traditionelles Weihnachtsessen zu sein, wie bei uns Kartoffel- oder Heringssalat. Natürlich gab es Fleisch, das ist das Wichtigste.

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Familie Mbughi beim Festessen

Es war schon spät, als wir wieder aufgebrochen sind. Zuerst mussten wir nocheinmal den Pfarrer grüßen – der es sich gerade, wohlverdient, auf seinem Sofa gemütlich gemacht hatte. Wir sind aber nur ganz kurz geblieben und brauchten nichts essen. Dann haben wir noch kurz Daimas Großeltern besucht (Daima hatte uns darum gebeten, vorbei zu kommen und sie zu begrüßen) und sind auf regennassen, schlüpfrigen Pfaden wieder zur Straße hinunter gestiegen.

Mbughi hat sich verabschiedet, aber wir waren noch nicht fertig, denn  die Einladung von John und Dr. Cheyo stand noch aus, bei denen wir vor ein paar Wochen schon einmal einen sehr schönen Nachmittag mit guten Gesprächen verbracht hatten. Auch dort waren wir im großen Kreis der Familie selbstverständlich aufgenommen – und kamen nicht drum herum, noch einmal Pilau und Fleisch zu essen.

Weihnachten findet also in den Familien statt – und auf den Straßen. Isokos „Zentrum“ war hell erleuchtet, die Läden waren offen, vor allem die Süßigkeiten- und die Getränkeverkäufer haben das Geschäft ihres Lebens gemacht.

Geschenke spielen praktisch keine Rolle, wurde uns gesagt und so haben wir es auch wahrgenommen – außer bei den Kindern, die Geld für Süßigkeiten vom Opa erbetteln, wird vor allem in das gute Essen investiert.

Heute am 2. Feiertag, der hier auch „Boxing Day“ – Päckchen- Tag genannt wird, sind wir noch bei Hermann eingeladen. Er hat gesagt: um 9 Uhr – aber da er bis jetzt (halb 12) noch nicht aufgetaucht ist, war wohl die tansanische Zeit gemeint – das ist um 3 Uhr Nachmittags. Manchmal fallen wir immer noch in die Zeit- Falle…

Hier noch zum Schluss von diesem Beitrag unser spezieller Weihnachts- Stern:

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Euch allen eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit – sie hat ja gerade erst angefangen!

 

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