Abschied aus Isoko

Man glaubt es kaum, aber unsere 5 Monate Tansania sind so gut wie vorüber und es hieß Abschied nehmen von Isoko, seinen Menschen und unserer Arbeit dort.

Die erste Abschiedsfeier hat uns Enea beschert. Sie meinte, die Waisenkinder wollten sich von uns verabschieden. Die Feier fand in der Baustelle von dem neu entstehenden „Zentrum“ statt.

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Die Baustelle – die Mauer und das Bürogebäude sind schon fast fertig

Enea plant seit längerem, einen eigenen Platz für die Waisenarbeit in Isoko zu haben. Wenn Treffen der Waisenkinder, Schulungen, Treffen der BetreuerInnen, der HIV- Gruppe und ähnliches sind, müssen diese entweder unter freiem Himmel stattfinden oder im Gästehaus – was wiederum Absprachen mit dem Krankenhaus erfordert. Das „Zentrum“ soll verschiedene Gebäude für die verschiedenen Aufgaben bekommen – gesichert durch eine solide Steinmauer und festen Drahtzaun ( inklusive Nachtwächter): Bürogebäude mit Lagerraum für Materialien und Akten der betreuten Kindern, ein großer Raum „mit Stühlen“ (das ist Enea sehr wichtig – sonst sitzen immer alle auf der Wiese oder auf Steinen rum) für Treffen und Schulungen, ein Haus für das Hühner- Projekt und die Bienen- Kästen und, am hinteren Ende der Mauer, Toiletten. Im Freigelände sollen der Parkplatz für das neue Auto, ein Lehr- Garten und ein Spielplatz entstehen.

Das Ganze ist recht gut durchdacht und budgetiert durch „unseren“ Peter. Ein guter Teil der Investition kann durch die Einnahmen aus dem Honigverkauf und dem Küken- Projekt finanziert werden und auch die Familien der Waisenkinder tragen bei: diesmal haben sie Säckeweise Sand mitgebracht. Für den Rest der Finanzierung (es fehlen ungefähr 13 000 Euro laut Budget), sucht sie noch Menschen „die ein Herz dafür haben“.

Wir bekommen ein Abschiedslied von den Kindern gesungen und viele Gebete und Segenswünsche dazu. Die Betreuerinnen bedankten sich mit selbst geflochtenen Grasmatten und einem Stück Kitenge

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Handgefertigte Grasmatten als Geschenk – und Enea und Neema in schicken Kleidern mit dem Emblem der Herrnhuter Brüdergemeine

Diese Matten sind normalerweise sehr viel größer und werden als Schlafmatten verwendet. Es gibt viele Familien, die keine Betten und/oder keine Matratzen benutzen, sondern auf diesen Matten schlafen. Für uns haben sie extra kleine Exemplare gefertigt „damit sie in den Koffer passen“. Wir konnten uns mit 50 Nähnadeln bedanken, die mit großer Begeisterung angenommen wurden.

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Ohne „Soda“ und was zu essen, geht gar nichts…

Dann gab es natürlich die obligatorische Soda und Mandazi – sowas wie Krapfen, nur ohne Marmelade drin

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Die Betreuerinnen – fast alle schon im deutlich fortgeschrittenen Alter

Ohne die Großmütter (und manchen Großvater) würde das ganze Gesellschaftssystem zusammenbrechen. Ich konnte eine aktuelle Statistik mit den prozentualen HIV- Infektionsraten der Bevölkerung Tansanias sehen – aufgeteilt in Distrikte. Der Südwesten Tansanias gehört zu den Gebieten mit den höchsten Infektionsraten: fast 10% der Bevölkerung. Die Leidtragenden sind (wieder einmal) vor allem die Kinder, denen die Eltern wegsterben.

Die nächste Abschiedsfeier war vom Krankenhaus- Personal. Dr. Shibanda hat an unserem letzten Arbeitstag alle MitarbeiterInnen mittags, zur Übergabezeit von der Früh- zur Spätschicht, in die Mutter- Kind- Ambulanz „beordert“ .

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Große Versammlung

Dr. Shibanda, Dr. Kapungu, die Pflegedienstleiterin und der Verwaltungsleiter haben sich herzlich für unsere Arbeit bedankt. Wir haben den Dank zurück gegeben: wir sind reich beschenkt worden mit wertvollen Erfahrungen und Freundschaften zu großartigen Menschen. Die Verwaltung hat Soda für Alle spendiert und so war es ein schöner Abschluss.

Am nächsten Morgen, nach der Morgenandacht und dem Reise- Segen, wurde noch ein Gruppenbild gemacht. Eine schöne Erinnerung für uns, weil Viele auf dem Bild sind, mit denen wir zusammen gearbeitet oder die wir täglich gesehen haben, die aber auf keinen anderen Fotos sind.

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Etwa die Hälfte des Krankenhaus- Personals – lauter tolle Menschen

Trauer oder gar Tränen zu zeigen ist nur zu wenigen Gelegenheiten „erlaubt“ und so habe ich meine Abschiedstränen vor dem Fototermin ordentlich abgewischt, lieb getröstet von Roda (die im blauen Kittel).

Abends waren wir dann noch bei Enea zum Abschiedsessen eingeladen. Auch diesmal hatte sie ihren Hof schön geschmückt, mit Kunstblumen aus Holland

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Eneas Sitzecke in ihrem Hof. Die Tücher täuschen: man sitzt ziemlich unbequem…

Auch der Himmel hat sich spektakulär verabschiedet:

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Der Blick aus unserem Fenster am Abend vor unserer Abreise

Als wir schon am gepackten Auto standen kam „unsere“ Familie von Hornvögeln noch einmal vorbei, als wollten auch sie „Auf Wiedersehen“ sagen

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Freundlicherweise war das Wetter klar und sonnig und wir konnten mit schönen Ausblicken auf die wunderbare Berglandschaft die Fahrt nach Mbeya auf der normalerweise sehr viel schlechteren Strecke genießen. Enea musste sowieso auch nach Mbeya und so konnten wir mit dem bequemen neuen Auto fahren.

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Das letzte Mal der schöne Blick

Wir haben noch einen kleinen Abstecher zu Claudia nach Rungwe gemacht (dort hat es geregnet), um uns zu verabschieden und um noch Abrechnungen und Quittungen zu bringen. Dort saß, zu unserer Überraschung, Michael Mwakalo aus Matema. Es war schön ihn noch einmal zu sehen, da weitere geplante Treffen nicht geklappt hatten. Seine Moringa- und Kakao- Bäume wachsen gut, aber leider hat er sehr viel Pech mit betrügerischen Mitarbeitern: einer, der für die Schweine verantwortlich war, hat 9 große Schweine gestohlen und verkauft. Und James, auf den er sich als engsten Mitarbeiter sehr verlassen hat, ist, nach unserem Treffen im November, nach Sumbawanga gefahren und seitdem nicht mehr aufgetaucht. Auch mit der Sekretärin des Projektes gibt es Probleme. Es scheint, als gäbe es in ganz Matema keine verlässlichen Menschen…

Auch Claudia ist gerade ziemlich unglücklich, aber nicht mit ihren Projekten und den Mitarbeiterinnen, sondern mit den Herren der Kirchenleitung. Es müssen auf Dauer neue Strukturen gefunden werden, die die Projekte der Frauen- , Waisen- und HIV- Arbeit unabhängig von den hierarchischen Leitungs- Strukturen machen – das wird noch ein schwieriger Prozess.

Heute haben wir uns noch einmal mit Mginah getroffen, der nächste Woche das Anamed- Seminar hier in Mbeya halten wird. Stephan hat mit ihm ausführlich den Bau des Solartrockners diskutiert und Mginah hat das Papp- Model mitgenommen ( ich möchte nicht sehen, wie es nach der Fahrt auf dem Pikipiki aussieht…).

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Maua- Cafe (wo derWeihnachtsmarkt stattgefunden hatte) – immer wieder schön

Auf dem recht langen Weg zum Maua- Cafe, wo wir gegessen haben, konnten wir uns noch sehr interessant über Heilmittel austauschen. Wir haben auch mit Mginah besprochen, in Isoko ein Seminar vor allem für die Traditionellen Heiler durchzuführen, was er sehr gerne machen möchte. Er wird mit Asekisye und Peter einen Zeitplan erstellen.

Ab Morgen werden wir für 6 Tage mal ausprobieren, wie man sich als Tourist in Tansania fühlt: wir haben eine „richtige“ Safari in den Kitulo („Der Garten Gottes“) und in den Ruaha- Nationalpark gebucht. Im nächsten Blogbeitrag (wahrscheinlich dem letzten) wird es also nur Bilder von Elefanten und Zebras geben 😉

 

 

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Viele Babys

Das mit den Babys ist diesmal eher im übertragenen Sinne gemeint, obwohl auch reale Babys jeden Tag auf die Welt kommen.

Gestern hat mich der Elektriker, der auch für die Hühner- Brutmaschine (siehe Blogeintrag „Gesegnetes Auto“) zuständig ist, strahlend in den Kellerraum geholt, wo die Maschine steht: die ersten Küken sind geschlüpft!

Ich muss gestehen, dass ich massive Zweifel an dem Erfolg hatte, weil die Maschine zwar beeindruckend aussieht,

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Der Brutofen, sogar mit Tages- Anzeige (das Bild stammt vom 7. Tag)

… aber die Eier in normalen Eierkartons aus Mbeya nach Isoko transportiert worden und natürlich alle kalt und durchgeschüttelt waren. Der Ofen selbst hat alle paar Minuten Alarm gegeben (man hört ihn von unserem Badezimmer aus) und am Anfang haben wir dauernd den Handwerker geholt, aber er meinte immer, es sei alles in Ordnung.

Wir hatten beim Aufstellen geholfen, den Tipp gegeben, erst einmal den Raum sauber zu machen und den Ofen auf ein Holzgestell zu stellen und nicht direkt auf den Fußboden. Am schwierigsten war, ihn in die Waage zu bringen, da die Eier ja gedreht werden müssen und dazu sollte der Ofen gerade stehen. Wie erklärt man in Kisuahili „Wasserwaage“? Wir haben uns irgendwie verständlich machen können und in den nächsten Tagen wurde uns von vielen Seiten bestätigt, dass alles jetzt gerade steht.

Allen meinen Zweifeln zum Trotz hat er sehr gut fuktioniert und ca. 90 „Probe- Küken“ ausgebrütet.

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Fertig zum Schlüpfen

Der Schreiner hat im Nebenraum einen schönen Stall gebaut und da wohnen sie jetzt erst einmal.

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Tansanier und „Wazungu“ – Weiße
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Mashimbi, der „Papa“ – normalerweise Elektriker

Stephans „Baby“, der Solar- Trockner ist auch fertig geworden und steht jetzt vor dem Eingang vom Garten.

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Sieht dem Papp- Modell ziemlich ähnlich

Stephan hat schon einige kleine Verbesserungen vorgenommen und meinte, beim nächsten würde er manches modifizieren, aber er funktioniert gut und trocknet gerade 3 Lagen Eukalyptus- Blätter für Hustensirup. Der Schreiner des Krankenhauses hatte ihn in der Werkstatt zusammen mit Stephan gebaut und vor allem vorhandene Rest- Stücke verwendet. Das Gute ist, dass er transportabel ist (das „Häuschen“ oben kann man abheben) und man ihn über Nacht ins Büro stellen kann.

Er steht nämlich auf dem Korb- Ball- Feld, das fast täglich bespielt wird.

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Engagierte Spielerinnen

Korbball ist DER Mädchen- und Frauensport und wird mit großer Begeisterung auf Seiten der Spielerinnen und der ZuschauerInnen ausgeführt. Wir hatten etwas Sorge wegen des neuen Zaunes, aber die Trainerin hat auch einen Schlüssel und der Ball wird meistens nicht so hoch gespielt.

Der Zaun, als weiteres „Baby“, hat spannenderweise den Effekt, den Garten und das Artemisia- Projekt interessanter zu machen.

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Das beeindruckende Eingangs- Tor

Rechts auf dem Zettel stehen die Telefonnummern der Gärtner und die Verkaufszahlen haben, seit der Zaun steht, deutlich zugenommen. Der Verkauf ist immer noch weit unter dem angestrebten Ziel, aber es ist ermutigend, dass das Projekt mehr wahrgenommen und genutzt wird.

Letzten Sonntag haben Stephan und ich einen Spaziergang durch den Garten gemacht und mal alle Pflanzen- Sorten gezählt, die dort wachsen – die Liste ist unglaublich lang geworden

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Wir haben 77 Pflanzenarten gezählt

Wir haben sicher noch einige Pflanzen übersehen und von etlichen wissen wir den Namen nicht (deshalb manche Umschreibungen) aber es ist wunderbar, diese Vielfalt auf so kleinem Raum zu sehen – und was eine gesunde Umgebung und liebevolle Pflege alles erreichen kann.

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Trocknen von Aloe Vera

Die Gärtner sind dabei, neue Produkte zu entwickeln, vor allem Pflegecremes für Babys und Frauen. In der Wochenbett- Station habe ich kleine Cremedöschen gesehen, die vor allem Parafin (ein Erdölprodukt) oder sogar direkt „Petrol“ enthalten und jede Menge Zusatzstoffe und viel Parfüm. Das kann Allergien auslösen und die Haut auf Dauer schädigen. Das kann das Artemisia- Projekt besser! Auf diese Weise kann auch noch zusätzliche Kundschaft gewonnen werden – zumindest ist das der Plan.

Eines meiner „Babys“ ist die Verbreitung des Wissens um die Vorteile der aufrechten Gebärhaltungen, bei Geburten mit dem Kopf oder mit dem Popo voran. Da hat sich jetzt in der Kollegin Imelda Charles eine engagierte Mitstreiterin gefunden. Wir haben zusammen eine Power- Point- Presentation erstellt – in beiden Sprachen. Imelda ist Vorsitzende und Vize- Vorsitzende von Krankenschwestern-/Hebammenvereinigungen und hat damit auch Publikum zur Verbreitung, da auf allen Treffen auch kleine Fortbildungs- Einheiten vorgesehen sind.

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Imelda bei ihrer ersten Präsentation des Vortrages

Wenn wir Glück haben, kann sie den Vortrag sogar auf dem nationalen Kongress in Dodoma halten – das wird sich diese Woche hoffentlich noch entscheiden. „Natürlich“ kann Imelda die Reise, den Aufenthalt und die Kongress- Gebühren nie aus eigener Tasche bezahlen, das wären das verfügbare Einkommen von fast zwei Monaten. Aber zu der Unterstützung bin ich nur zu gerne bereit. Imelda ist eine gute Lehrerin und wir feilen jetzt nur noch ein bisschen am Vortrags- Stil – dann sehen wir weiter ob das mit Dodoma klappt.

 

 

 

 

Begräbnis- Fest und Traditionelle Heiler

Vor einer Woche ist Asekisyes Mutter nachts verstorben, oder „heimgegangen“, wie wir in der Herrnhuter Brüdergemeine gerne sagen und was in diesem Fall gut passt. Die alte Dame hatte ein gesegnetes Alter von 84 Jahren erreicht und war vorher in ihrem Leben nur 1x im Krankenhaus gewesen, vor gut 20 Jahren (ich habe ihre Krankenakte gesehen) – da darf man dann auch in Frieden gehen. Noch am Tag vorher hatte ich sie besucht und sie hat mich, fröhlich im Bett sitzend, aus einem fast zahnlosen Mund angelächelt – umgeben von zahlreichen Verwandten. In der Nacht ist sie dann friedlich eingeschlafen.

Zwei Tage war sie in der Totenkammer, die gekühlt werden kann. Der Spruch über der Eingangstür könnte auch über einem der brüderischen Gottesacker- Tore stehen:

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Selig sind, die in dem Herrn sterben von nun an, spricht der Herr (Offenbarung 14,13)

Am Samstag kamen dann gegen Mittag zuerst einige Frauen und dann viele vor allem junge Männer. Diese hatten bis gerade eben noch das Grab ausgeschaufelt und alle waren froh, dass es nicht geregnet hat – das graben ist dann bestimmt noch sehr viel schwieriger. Die Mama wurde auf eine Trage gelegt und in einem langen Zug zu ihrem Haus getragen, das recht weit oben auf dem Berg liegt. Der Weg schlängelt sich steil bergauf, die Träger wechselten sich häufig ab und kamen sicher oben an.

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Heimweg

Es gibt zwar auch Friedhöfe, aber die meisten Menschen werden direkt bei ihrem Haus begraben. Halb Isoko war zum Begräbnis da und von weit darüber hinaus waren Gäste gekommen. Viele haben mir gesagt, dass sie ihre Mutter war – wobei diese Bezeichnung nicht wörtlich zu nehmen ist, wie auch alle anderen Verwandtschafts- Bezeichnungen. Wenn man es genau wissen will, muss man sehr präzise nachfragen.

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Gedränge am Haus, alle sind gekommen

Oben war schon alles gerichtet: ein Dach für die beiden Pfarrer (aus Isoko und aus Kafule), die Lautsprecher- Anlage aus der Kirche und ein riesiger Lautsprecher, der mitten auf dem Hof plaziert war und um den herum bei lauter Musik getanzt wurde.

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Tanz zu Ehren der Verstorbenen

Dann wurde der Lautsprecher an die Seite geräumt und der Sarg aus dem Haus gebracht und auf einen Tisch gestellt. Der Pfarrer hielt eine wohl recht lustige Predigt – es wurde jedenfalls viel gelacht. Der Sarg diente dabei als Ablage für die Bibel oder die Brille und auch mal als Stütze für den Ellbogen – alles nicht so „pietätvoll“, wie wir es gewohnt sind.

Es wurde dann ausdrücklich um eine Kollekte gebeten. Das Geld bekommt die Trauerfamilie, die mit den Trauerfeierlichkeiten erhebliche Ausgaben hat – alle die jetzt gekommen sind und noch in den nächsten Tagen kommen, müssen schließlich verpflegt werden und die Küchen- und sonstigen Hilfen brauchen auch ein kleines Entgelt.

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Alle sind versammelt im kleinen Hof. Au dem Sarg steht der Kollekten- Teller

Einer der Söhne las einen kurzen Lebenslauf vor, es waren etwa 4 Sätze. Am eindrücklichsten war mir, das sie 11 Kinder geboren hat, von denen jetzt nur noch 7 leben. Ihr erster Krankenhausaufenthalt vor 20 Jahren war auch anlässlich des Todes eines ihrer Söhne gewesen. Sie wurde ein paar Tage wegen „Depressionen“ behandelt. Was hätte sie wohl selbst erzählt aus ihrem langen Leben?

Dann wurde sie hinter das Haus getragen und in einem tiefen Grab begraben. Das war so tief, dass von den Männern, die von unten den Sarg entgegen genommen haben, gerade noch die Hände herausgeschaut haben…

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Tief im Schoß von Mutter Erde

Als Geschenk für die Trauerfamilie werden traditionell Decken übergegeben und ich hatte mich schon gewundert, was sie mit so vielen Decken machen wollen – aber Decken kann man ja eigentlich immer gebrauchen. Jetzt haben wir gelernt, dass etliche Decken und auch geflochtene Bastmatten als Grab- Beilagen mit in das Grab gegeben werden. Mbughi, den wir später danach fragten meinte, „damit die Tote schön weich liegt“. Da hat sich dann doch noch ganz alter, traditioneller Glaube erhalten. Aber ist es bei uns sehr anders??

Nachdem das Grab zugeschaufelt und glatt geklopft war, kamen die Verwandten nacheinander und haben mit weißen Girlanden (Klopapier) umwickelte Kränze niedergelegt.

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Söhne und Enkel und schön geschmückte Kränze

Nach dem Abschluss- Segen haben wir uns verabschiedet, aber Viele sind da geblieben und bekamen dann Essen das in riesigen Töpfen zubereitet wurde. Der Ugali (Maisbrei) wurde mit Holzlöffeln so groß wie Ruder, umgerührt.

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Umrühren ist Schwerstarbeit…

Asekisye ist dann noch eine halbe Woche zu Hause geblieben und hat Gäste empfangen und versorgt. Sein eigenes Haus steht etwas unterhalb des Hauses seiner Mutter und auch die meisten der Geschwister leben in der Nähe, so dass ein großer und guter Familien- Zusammenhalt gegeben ist.

Für Mittwoch hatte Dr. Shibanda, auf unsere Anregung hin, Traditionelle Heiler – „Hexen- Ärzte“, wie sie in Kusiahili heißen, aus der näheren Umgebung eingeladen. Früher habe es regelmäßig solche Treffen gegeben, aber in den letzten Jahren nicht mehr. Die Heilerinnen und Heiler sind sehr gerne der Einladung gefolgt, 3 Frauen und 5 Männer, die meisten aus dem Ort mit dem schönen Namen Chikumbulu.

Wir haben das Treffen damit angefangen,den Heilern unseren Heilpflanzengarten zu zeigen und zu erklären. Asekisye hat sich als hervorragender Lehrer erwiesen – ich habe ihn noch nie so viel und eloquent reden hören…

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Asekisye erklärt den Heilpflanzen- Garten

Es war schon dort ein interessanter Austausch, denn einige der Pflanzen kannten die meisten noch nicht, wie zum Beispiel das Artemisia.

Dann sind wir, knapp rechtzeitig vor einem heftigen Regenguss, in das Gästehaus gegangen und haben dort in der Runde gesessen. Ursprünglich war der Plan, dass auch die Krankenhaus- Ärzte – allen voran Dr. Shibanda – und auch anderes Krankenhaus- Personal an dem Treffen teilnehmen sollten. Das hat leider nicht geklappt, weil gerade an diesem Tag Vertreter von der staatlichen Kranken- Versicherung da waren und mit Dr. Shibanda getagt haben. Eine Kollegin, Imelda, war aber mit dabei und hat wertvolle Beiträge und Übersetzerdienste geleistet.

Immerhin kam kurz Dr. Kapungu vorbei und hat auf die Symptome von Polio (Kinderlähmung) und Masern hingewiesen und die Heiler gebeten, Patienten mit diesen Symptomen sofort in die Klinik zu schicken. In einer anderen Region in Tansania hat es wohl mehrere Todesfälle gegeben, so dass vom Gesundheitsministerium um besondere Aufmerksamkeit gebeten wurde (in diesem Zusammenhang wird jetzt wohl auch in Tansania die Kinderlähmungs- Schluckimpfung in eine Injektion umgewandelt, wie bei uns schon seit vielen Jahren. Bei der Schluckimpfung können die geimpften Kinder Polio- Viren ausscheiden und so Ungeimpfte anstecken. Viele Erwachsene sind auf diese Weise an Polio erkrankt).

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Dr. Kapungu bei seinem Vortrag über Polio- und Masernsymptome

Leider ist Dr. Kapungu nicht zum Austausch geblieben, denn der war wirklich hochinteressant: wir hatten jeden Einzelnen gefragt, ob er/sie, neben den üblichen Krankheiten, Spezialgebiete zur Behandlung habe:

Einer behandelt Knochenbrüche, indem er über der Bruchstelle einschneidet und einen Pflanzensaft auf den gebrochenen Knochen tropft. Es sei in 1 bis 2 Wochen geheilt. Manche lassen im Krankenhaus eine Röntgenaufnahme machen und gehen dann zum Heiler zur Behandlung, weil die Heilung einfach schneller geht (das wurde mir verschiedentlich bestätigt).

Mehrere machen Kinderwunsch- Behandlungen bei Männern und Frauen, mit gutem Erfolg – nach eigenen Aussagen. Sie können „einen Mann öffnen, wenn er durch einen Zauber verschlossen war“

Auch Pflanzen zur Verhütung kennen sie (so ganz darauf verlassen würde ich mich aber nicht…)

Eine der Frauen „treibt Dämonen aus“. Bei ihr habe ich nachgefragt, woher sie weiß, ob ein Patient einen Dämon hat oder eine „normale“ Krankheit: sie sucht verschiedene Pflanzenmischungen aus dem Garten und wenn eine Mischung nicht hilft, wird eine andere ausprobiert. Das klingt also einfach nach Phytotherapie. Ich habe mich mal extra neben diese Heilerin gesetzt, um sie zu spüren und man merkt schon eine besondere Kraft bei ihr. Sie ist, bestimmt nicht umsonst, die Vorsitzende einer Organisation der Traditionellen Heiler. Allerdings ist sie auch super freundlich und herzlich und wir wurden mit vielen „Karibu“ eingeladen, sie zu besuchen – was wohl leider an der Zeit scheitern wird.

Alle der Frauen sind „TBA“ – Traditionelle Hebammen. In Chikumbulu scheint es eine fruchtbare und entspannte Zusammenarbeit mit der Dispensary, der staatlichen Gesundheitsstation, zu geben. Die Schwangeren nutzen beide „Gesundheitssysteme“ und gehen, neben der Behandlung durch die Traditionellen Hebamme, auch zu den „normalen“ Schwangerenvorsorgen. Zur Geburt in der Dispensary werden sie dann von der Traditionellen Hebamme begleitet, die der „diplomierten“ Hebamme assistiert. Von so einer guten Zusammenarbeit hatte ich auch am Lake Tanganyika gehört, wo ich vor einigen Jahren war – das ist ein gutes System.

Was mir nicht gefällt ist die Gabe von Pflanzen, die die Wehen verstärken oder die Geburt einleiten. Mit Frauen, die eine solche Behandlung bekommen hatten, haben wir hier leider schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht, von Rissen in der Gebärmutter bis zu unerklärlichen kindlichen Todesfällen. Beliebt sind aber auch Bauchmassagen mit dem Gel aus der Aloe Vera- Pflanze – das kann gerne gemacht werden!

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Unsere schönen Aloe- Pflanzen werden bewundert

Wir haben alle Heiler gefragt, woher sie ihr Wissen haben und sie haben alle Verwandte angegeben, die meisten ihre Eltern und Großeltern. Ob sie auch Schüler haben? Das wird eher zögerlicher beantwortet, aber sie wollen ihr Wissen auf jeden Fall weitergeben. Alles andere wäre auch zu schade!

Sie sind übrigens Kirchgänger und viele sind Mitglieder der Brüdergemeine. Dieser Kontakt und solche Treffen sollten unbedingt weiter verfolgt und ausgebaut werden – zum Nutzen der Menschen hier in den Bergen.

Was ich sonst noch mache? Vor allem Schränke ausmisten und neu sortieren in mehreren Abteilungen, zusammen mit der Pflegedienstleitung und den entsprechenden Schwestern. „Five S“ ist inzwischen ein geflügeltes Wort geworden und alle sind sehr dankbar über die neue Ordnung, weil es deutlich übersichtlicher ist und die Chance bietet, das zu finden, was man gerade sucht. Inzwischen sind sie auch mutiger, etwas wegzuschmeißen, wie uralte poröse Schläuche oder verrostete Instrumente, die in irgendwelchen Schrank- Ecken auftauchen.

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Neue Ordnung im Notfall- Schrank in dem „Intensiv- Zimmer“ – alles schön in Schächtelchen und beschriftet

Das klingt für uns Deutsche so selbstverständlich, ist aber einer der Punkte, die mich hier oft zur Verzweiflung treiben. Ich hoffe sehr, dass die Schächtelchen eine Hilfe sind und dass die Ordnung ein bisschen anhält…

 

 

 

 

 

Dies und das

Weil gerade nichts so richtig linear verläuft, kommt hier mal ein Beitrag „dies und das“ von dem, was wir gerade so machen und erleben.

Zweimal musste ich noch (bzw einmal zusammen mit Stephan) nach Mbeya, wegen unserer Aufenthaltsgenemigung. Das hat uns immerhin wunderschöne Sonnenaufgänge beschert (wir müssen sehr zeitig los, um den Weg zu schaffen) und einen Weitblick bis zum Lake Malawi

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Sonnenaufgang über den Bergen

Ab dem Ort kurz vor der Grenze, der sicher auch einen Namen hat, aber nur „Border“ heißt, sind wir mit dem Bus nach Mbeya gefahren. Nun ist das nicht so ein bequemer Reisebus, sondern man sitzt eingeklemmt zwischen mehr oder weniger wohlriechenden Nachbarn (je nachdem, ob sie Klopapier zu Hause haben oder nicht) auf wackeligen Sitzen. Bei der ersten Fahrt wurden die Abgase des Busses in den Innenraum geleitet und man hatte die Wahl zwischen einer Abgasvergiftung oder einem steifen Hals vom offenen Fenster. Ich habe mich mit einem um den Hals geschlungenen Kanga (Universaltuch für alles und jedes) gerettet.

Auf der einen Rückfahrt sind wir fürchterlich im Schlamm stecken geblieben – es war schon dunkel und hat heftig geregnet. Wir mussten alle aussteigen, inklusive des Finanzmitarbeiters, der gut und gerne 200kg wiegt, und den Berg hoch laufen. Amson der Hausmeister hat uns wieder einmal gerettet und mit einer Schaufel den Schlamm weggeschaufelt, bis die Räder einigermaßen gegriffen haben. Er war von oben bis unten mit Schlamm bespritzt und ganz erledigt – aber er und Abel (der Fahrer) haben es, mit einem beherzten Anlauf, geschafft.

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Die Straße zur Border – bei Licht. Das ist die „gute“ Straße. Die andere, über die Berge, ist noch schlechter

Ganz ausgestanden ist die Genehmigungs- Angelegenheit immer noch nicht, aber wir haben jetzt das Wohlwollen des Immigration- Office in Mbeya – das ist auch schon was wert.

Eines Mittwochs bekamen wir die Nachricht, dass auf dem Marktplatz von Isoko eine Gruppe auftritt, mit „Traditioneller Trommelmusik“. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen und es war wirklich ein sehens- und hörenswertes Spektakel.

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Die Trommelgruppe

Zu den Trommeln gab es einen Flöter, der auf einem Kuhorn (?)  einfache Tonfolgen gespielt hat und dann eine Tanzgruppe aus vielen Männern und Frauen

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Die Tänzer in der Choreographie mit rituellen Stäben (oder auch einfach ein Stecken vom nächsten Baum)

Stephan hat noch viele schöne Bilder dazu – oder sie kommen demnächst.

Auf dem Markt haben wir auch interessante neue Lebensmittel gesehen: gebratene Termiten (die haben wir nicht probiert) und Früchte mit sehr leckeren süß- sauren Kernen, die einem ein Loch in die Zunge ätzen, wenn man zu viele davon isst. Die Schalen dieser Früchte sondern beim Anschneiden eine sehr klebrige Milch ab. Stephan hat das gleich ausgenutzt, weil der mitgebrachte Klebestift eingetrocknet war:

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Bastelstunde mit Natur- Kleber

Stephan hat ein Modell des geplanten Solar- Trockners aus alten Keks- Schachteln gebastelt. Claudia hatte uns überzeugend dargelegt, dass Zeichnungen, und seien sie noch so ausgefeilt Drei- Dimensional, als Arbeitsanleitung nicht viel nützen.

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So soll er mal aussehen, der Solarofen, mit dem die Gärtner die schlechte Trocknung in der Regenzeit austricksen wollen

Neben den Früchten mit dem mitgelieferten Kleber haben wir noch andere neue Früchte getestet.

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Auch diese Kerne sind sehr fein süß- säuerlich, ohne Gefahr für die Zunge…

Wir hatten sie von einem der Nachtwächter geschenkt bekommen, der meinen Geburtstag mitbekommen hatte, weil Stephan einen großen, wunderbaren Blumenstrauß für den Frühstückstisch gepflückt hat.

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Ist der nicht schön? Alles aus dem Garten!

An dem Tag haben auch viele andere Erdenbürger auf die Welt gedrängt. Im Kreißsaal waren 5 Gebärende, so dass sogar das Not- Bett, auf dem normalerweise die Instrumente gepackt werden, ausgeklappt und „belegt“ war.

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„Volles Haus“

Glücklicherweise konnten wir abwechselnd welche in die „Warteschleife“ schicken und im Kreißsaal umschichten, so dass alle zur Geburt dann wenigsten einen Vorhang um sich herum hatten – so viel Privatsphäre sollte schon sein. Drei der 5 Babys kamen an diesem Vormittag, die anderen beiden am Nachmittag bzw. in der Nacht.

Inzwischen ist das kleine Doppler- Gerät, mit dem man den kindlichen Herzschlag abhören und gleich die Frequenz ablesen kann, sehr beliebt und wird von den meisten Hebammen genutzt. Ich hatte danach gefragt und Dr. Shibanda hat ein gutes Gerät aus einer Schublade „gezaubert“. Nun machen wir damit viel Training an den Gebärenden. Ich erhoffe mir davon eine bessere und eindeutigere Identifizierung von Ungeborenen, die Probleme mit der Geburt haben, da es sehr einfach und auch im Stehen oder Hocken angewendet werden kann.

Aus Mbeya hatten wir dieses Plakat mitgebracht, das auch die „Anamed“-Organisation entwickelt hat und verteilt.

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Gefahr durch die Inhaltsstoffe von vielen beliebten Cremes

In vielen Kosmetika, vor allem in aufhellenden Cremes, sind gefährliche Inhaltsstoffe, wie Cortison oder sogar Quecksilber. Als ich das Plakat in der Morgenrunde vorgestellt habe, gab es viele betroffene Gesichter. Eine der Krankenschwestern vertreibt eine dieser Cremes in ihrem Laden… Das ist eine gute Chance für die Heilpflanzen- Produkte. Die Gärtner wollen eine gute Hautcreme mit in ihre Produkt- Palette aufnehmen. Geeignete Pflanzen gibt es zuhauf und das gute, rote Palmöl und Bienenwachs sowieso.

Das Internet wird schlechter – aber für das Bild von meinen Lieblingsvögeln reicht es noch:

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Mousebirds – einfach entspannt abhängen

 

 

 

 

 

 

Ein gesegnetes Auto

Mission 21 hat dem Waisenprojekt einen sehr langjährigen Wunsch erfüllt und ein Fahrzeug finanziert – rechtzeitig als Weihnachtsgeschenk angekündigt in einer Mail an Enea: „Viele Menschen in der Schweiz und in Deutschland sind treue Unterstützer der Waisenarbeit und haben gespendet“. Das Auto wird dringend zum Transport gebraucht von Utensilien aus Mbeya nach Isoko und an die vielen unterschiedlichen Schulen und Orte, an denen die unterstützten Waisenkinder oder auch alte Menschen oder HIV- Infizierte leben. Bisher hat Enea das Krankenhaus- Auto benutzt, was sehr oft, trotz Absprachen, zu Termin- Kollisionen geführt hat und in keinster Weise ausreichend und verlässlich war.

Enea, als verantwortliche Projektleiterin war begeistert – und wer Enea kennt weiß, wie Begeisterung bei ihr aussieht: lachen, springen, tanzen, umarmen, beten. Sich mit Claudia Zeising zu beraten und ein geeignetes Auto samt Isoko- erfahrenem Fahrer auszusuchen, war eine Angelegenheit von wenigen Tagen – tansanischer Geschwindigkeits- Rekord.

Außerdem ist Enea eine Meisterin darin, ein Öffentlichkeits- wirksames Event zu inszinieren und so wurde der Tag unserer Rückkehr aus Mbozi zu einem Auto- Festtag. Das Wetter war furchtbar und die Straßen grausig, aber Enea war ganz beglückt und meinte, dann wird das Auto gleich richtig getestet.

Aus Mbeya hatten wir einen jungen Filmemacher mitgenommen, der einen Film von dem Ereignis machen soll.

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Anthon bei der Arbeit

Der arme Kerl, ein Stadtkind aus Mbeya, war ganz entsetzt, wie weit draußen und unter welchen Bedingungen die Menschen hier leben. „Was für Geschäfte kann man denn hier nur machen?“ war eine seiner Fragen. Aber je steiler die Kurven und je matschiger die Straße wurde, desto munterer wurde er, ist aus dem Auto raus und rein gesprungen und hat bestimmt spektakuläre Szenen im „Kasten“.

Kurz vor der Krankenhaus- Einfahrt wartete schon geduldig im Regen das Schmuck- Komando und wir sind das letzte Stück gelaufen, um das Schmücken des Autos nicht zu stören.

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Das ist das Pracht- Objekt, zünftig mit Schlamm bespritzt

Nach einer weiteren Weile geduldigen Wartens kam es dann um die Ecke, begleitet von einem Chor aus Waisenkindern und Betreuerinnen, die ein eigenes Lied gesungen haben: „das ist das Auto für uns Waisenkinder, nicht für das Krankenhaus, nicht für Dr. Shibanda, nicht für Enea, Danke an Mission 21, Danke an die Herrnhuter Missionshilfe und an alle Spender, wer das Auto ausleihen will, muss 5 000 TSH pro KM bezahlen (was ein Vermögen ist…)“ und ähnliches. Es war ein langes und fröhliches Singen, die Plakate mit den entsprechenden Texten wurden hoch gehalten.

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Einzug in Isoko

Dann folgten natürlich Reden von den Dorfältesten, vom Chefarzt, von einem der Waisenkinder, den Betreuerinnen und allen, die wichtig sind. Ich durfte symbolisch den Schlüssel in Eneas Hand überreichen und habe die Verbundenheit betont und dass die Menschen in der Schweiz und in Deutschland diese Arbeit auch in ihren Herzen begleiten. Aber das wichtigste ist die Unterstützung, die viele Menschen hier in Isoko den Kindern in dieser schwierigen Situation geben – dafür sind wir sehr, sehr dankbar.

Dann haben sich alle um das Auto herum gestellt, die Hände daran gelegt und der Pfarrer hat ein langes Gebet gesprochen. Das war für mich eindrücklich und auch  befremdlich – hoffen wir, dass der Segen lange anhält!

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Auto- Segen

Danach wurden diverse Schul- Utensilien verteilt und Dr. Kita hat einen Vortrag über den Gebrauch von Zahnbürsten gehalten und die Wichtigkeit des Zähne- Putzens. Ich hoffe sehr, dass das nicht das erste Mal war, dass sie eine Zahnbürste gesehen haben…

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Gesundheits- Schulung Zähneputzen

Natürlich gab es wieder etwas zu essen – und die obligatorische Soda. Die Honoratioren saßen im Gästehaus, die Kinder draußen, etwas notdürftig unter einem Blechdach.

Dann gab es noch ein weiteres Highlight: der Brutkasten für die Hühner ist auch endlich gekauft und angekommen.

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Laut wurde gesungen und gerufen: „Danke Dr. Runge!“ Er ist der Organisator und Haupt- Spender des Brutofen- Projektes

Er wurde von einigen Spendern aus Deutschland finanziert, aber die Verwirklichung dieses Projektes hatte sich lange hingezogen: die äußeren Bedingungen, wie Standort und Unterhalt waren noch zu unklar. Der Brutofen kann Eier ausbrüten, die dann als Küken für gutes Geld weiter verkauft werden können. Der Bedarf daran scheint sehr groß zu sein und so kann einiges Geld in die Kasse des Waisenprojektes gespült werden. Nächste Woche, wenn der Generator für eventuelle Stromausfälle angeschlossen ist, soll es losgehen mit den ersten Eiern.

Stephan und die Gärtner haben den Zaun fertig gestellt und mit einem schönen Eingangstor versehen. Jetzt muss nur noch ein Schild dran, mit einer kurzen Beschreibung und den Telefonnummern, wann und wo man Gemüse und Heilpflanzenprodukte kaufen kann.

Von meiner „eigentlichen“ Arbeit gibt es gerade nichts zu berichten, weil ich, nach nur einem Tag im Kreißsaal, die halbe Woche wieder in Mbeya verbracht habe – der tansanische Amtsschimmel gebärdet sich gerade ziemlich wild. Immerhin konnte ich sehr interessante Kontakte knüpfen, u.a. zu einem jungen amerikanischen Arzt, der meine Übersetzung der Tabelle über die Anwendung von Antibiotika bei Kindern nochmal kritisch durchschaut (und schaut, ob das englisch ist, was ich da geschrieben habe…). Auch eine Interessentin für das Lemongras- Massageöl konnte ich noch finden. Sie möchte Massagen anbieten und wird dann vielleicht regelmäßige Käuferin des Öls.

Auf der Rückfahrt gestern Abend konnte ich lange mit Ntabuli, der Kreißsaal- Leiterin sprechen. Sie war mit Dr. Shibanda auf einer spannenden Fortbildung in Iringa gewesen. Wir haben, unter anderem, überlegt, wie man die Motivation der Mitarbeiter erhöhen kann, auch ungeliebte Aufgaben, wie zB Nachttischchen putzen, regelmäßig zu machen. Wie weit kann sie „den Boss rauskehren“? Was wären die Konsequenzen, wenn Dinge nicht gemacht werden? Wie kann man erreichen, dass alle motiviert mit dem Herzen dabei sind? Das ist echt schwierig, zumal ein Treffen aller Beteiligten fast nicht durchführbar ist – zu unmotiviert zum Kommen in der Freizeit…  Mal sehen was uns dazu noch einfällt.

 

 

Mbozi

So, jetzt kommt der versprochene Blog- Beitrag. Wir sind für den Sonntag in Ifisi, einer sehr schönen Hotel- Anlage in der Nähe des Flughafens. Es wurde von einem Schweizer gegründet und hat nebenan einen Zoo und einen Tierpark mit Antilopen. Von unserem Balkon aus können wir in der Ferne Elen- Antilopen und Impala grasen sehen – und das Internet ist stark genug für den Blog.

Ich hatte schon befürchtet, dass es „gefährlich“ wird, nach Mbozi zu gehen und es hat sich bestätigt: jetzt ist mein Herz nicht nur zwei-, sondern drei- geteilt: Deutschland, Isoko und Mbozi…

Von der Chef- Ärztin Dr. Agnes Makwenda und dem für Finanzen zuständigen Verwalter Josef Lomayani wurden wir sehr herzlich willkommen geheißen und ausführlich herumgeführt. Mbozi Mission Hospital ist gut doppelt so groß wie Isoko, hat auch alle Abteilungen und sehr schöne und gepflegte Außenanlagen. Als Besonderheit haben sie die Möglichkeit, eigene Infusionslösungen herszustellen:

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Die Infusions- Vorräte – selbst hergestellt

Der Eigenbedarf kann allerdings nur zu etwa 2/3 gedeckt werden (der Rest wird teuer zugekauft), weil ein zweiter Sterilisations- Ofen (Autoklav) fehlt.

Auch in anderen Abteilungen fehlt dringend benötigte Ausstattung, aber es gibt auch Lichtblicke: der OP- Trakt wir gerade renoviert und es wird richtig gut!

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Der neue OP, vorgeführt von Dr. Makwenda und dem Architekten

In etwa einem Monat soll es fertig sein und dann wird die Gesamt- Situation hoffentlich wieder ein bisschen normaler. Im Moment ist nämlich der OP in der bisherigen Geburtenabteilung, die Maternity (sprich: Kreißsaal und Wochenbett- Station) in den Räumen des „Kleinen OP“ und der „Kleine OP“ auch irgendwo reingequetscht, ich weiß gar nicht, was da vorher war. Die Schwangerenstation mit den wartenden Schwangeren (wie in Isoko) oder Problem- Schwangeren ist gerade in der anderen Hälfte der Kinderstation – da ist in der Regel noch etwas Platz.

Dazu muss man wissen, dass die Geburten- Abteilung mit fast 2 000 Geburten jährlich die mit Abstand größte Abteilung ist. Im Moment sieht sie so aus:

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Eine Ecke der Wochenbettstation

Die Betten sind für die Wöchnerinnen nach einem Kaiserschnitt reserviert, die Frauen nach normaler Geburt müssen mit einer Matratze auf dem Fußboden vorlieb nehmen, zum Teil halb unter einem Bett, weil man sonst gar nicht durch kommt. Sie werden sowieso nach 24 Stunden entlassen. Aber auch die Frauen nach Kaiserschnitt werden schon nach 3 Tagen nach Hause geschickt, was viel zu früh ist. In Isoko bleiben sie 8 Tage im Krankenhaus, dann ist die Naht recht zuverlässig zu und es kann nicht mehr viel passieren. Die Frauen aus Mbozi fahren 3 Tage nach dieser großen Bauch- OP mit dem Pikipiki nach Hause (und die Straßen sind ebenso holperig wie in Isoko) und gehen zur Kontrolle und zum Fäden- Ziehen in die heimische Dispensary.

Im Kreißsaal selber geht es ähnlich eng zu, man kann sich kaum drehen und ein Vorhang, um etwas Privatsphäre für die einzelne Gebärende zu schaffen, hat schon gleich gar keinen Platz.

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Der Kreißsaal. Diese Mama hatte Glück – sie war die einzige Gebärende zu der Zeit

Das Baby- Reanimationsbett ist ein wackeliges Teil und einen funktionierenden Beatmungsbeutel haben sie erst auf meine Nachfrage hin irgendwo ausgegraben. Nun ja, das wird hoffentlich in ein paar Wochen alles wieder besser. Es gibt auch schon eine lange Liste mit benötigten Gegenständen und manches kann sicher in absehbarer Zeit besorgt werden.

Andere Abteilungen haben zwar noch funktionierende Geräte, aber die passen eher in ein medizin- historisches Museum, wie diese Dunkelkammer der Röntgenabteilung:

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Eine Blutbank wäre dringend nötig. Manche Patienten müssen nach Mbeya verlegt werden, weil die richtige Blutgruppe oder eine ausreichende Menge nicht zur Verfügung steht – und das in so einem großen Hospital.

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Die „Blutbank“ vom Krankenhaus – viel zu wenige Konserven (abgesehen davon, dass Blut nie mit Medikamenten zusammen gelagert werden sollte…)

Ich habe, wie schon geschrieben, schwerpunktmäßig in der Schule unterrichtet – obwohl ein „On- Job- Training“ im Kreißsaal ebenso nötig gewesen wäre: die jetzige Hebammen- Schülerin wusste nicht einmal, wie rum man ein Fieber- Thermometer unter den Arm steckt und wie man die Baby- Waage richtig bedient.

Die Schülerinnen und Schüler lernen in 3 Jahren Krankenpflege + Hebammenwesen, wofür in Deutschland 5 Jahre gebraucht werden. Entsprechend wird viel nach Schema gearbeitet und gelernt und eigene Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Aber, da diese Schule mit der Universität in Genf verknüpft ist, sind die Standards hier deutlich höher. Ich konnte zum Beispiel in Englisch unterrichten (wie andere Lehrer auch) und bin (hoffe ich zumindest) einigermaßen verstanden worden.

Die gewünschten Themen hatte ich mit der Lehr- Hebamme abgesprochen und ein Teil des Unterrichtes war im „Skills- Lab“, dem Raum für den praktischen Unterricht

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Der Schulleiter und eine der Lehr- Schwestern (Schwester Betty, frühere Pflegedienstleitung und Vielen in Niesky bekannt, weil sie dort eine halbjährige Fortbildung gemacht hatte). Die Pflege- Puppe ist allerdings total steif und kann fast nicht bewegt werden – für den Unterricht ziemlich ungeeignet

Auch das geburtshilfliche Modell ist ein lapperiges Ding, dem Modell- Säugling fällt immer der Kopf ab und die Becken sind unbewegliche Papp- Machee- Nachbildungen mit sehr merkwürdigen Maßen. Ich hatte „meine“ Puppe und das Becken- Modell aus Isoko mitgebracht und habe beides in Mbozi gelassen – hier wird es dringender gebraucht.

Gut geeignet sind die Reanimations- Modelle, es sind die gleichen wie in Isoko. Das war das Training des letzten Nachmittages und ich hoffe sehr, dass sie weiter üben…

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Das braucht noch ein bisschen Übung und die richtige Position – aber diese Schülerin war eine der wenigen, die es schließlich geschafft hat, die Puppe zu beatmen

Einen recht lichtstarken Beamer gibt es und so konnte ich einige Lehr- Filme zeigen, was immer recht eindrücklich ist.

Am Donnerstag hat Stephan unterrichtet, das Thema war nachhaltige Landwirtschaft, Bodenverbesserung, sinnvolle Pflanzen für Hausgärten, die Nutz- und Heilpflanzen zugleich sind. Alle Menschen, die nicht gerade in der Großstadt leben, werden einen Garten und Felder brauchen und bepflanzen, das ist hier Überlebens- notwendig und gute Tradition. Später hat sich Stephan noch mit zwei landwirtschaftlichen Beraterinnen der Region Mbozi getroffen, die auch einem Heilpflanzenprojekt nicht abgeneigt waren, vor allem an pflanzlichen Insektenschutzmitteln sind sie interessiert.

Neben der Schule betreibt das Krankenhaus noch ein Waisenheim für Babys und Kleinkinder. Dieses Heim hat kürzlich einen Neubau bekommen, der sich sehen lassen kann. Zur Zeit werden dort 10 Babys bzw. Kleinkinder betreut und ein 13 jähriges behindertes Mädchen. Die meisten der Kinder haben glücklicherweise noch einen Vater oder eine Großmutter, die sie aufnehmen können, wenn sie etwas größer und „pflegeleichter“ sind. Die Verwandten kommen auch zu Besuch, um eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen (sonst dürfen sie es auch nicht zurücknehmen – neue Vorschriften, absolut sinnvoll).

Die Betreuung entspricht in keinster Weise meiner Vorstellung von Erziehung und ich finde es schwierig, „nur mal kurz“ dort zu sein

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Josef mit einem der Babys – er kommt häufig und nimmt immer die Kinder auf den Arm – sie lieben ihn!

Einmal die Woche kommt die Physio- Therapeutin des Krankenhauses und macht Übungen mit den ganz Kleinen, weil diese motorische Defizite haben: sie liegen einfach viel zu lange am Tag nur in den engen Bettchen rum. Das Außengelände mit einem Spielplatz ist auch neu gestaltet, aber die Geräte wenig Kleinkind- geeignet. Immer wieder werden Kistenweise Stofftiere gebracht – nicht wirklich ein Spielzeug mit dem Kinder richtig spielen können, geschweige denn Motorik oder das Gehirn anregen.

Auch das ältere Mädchen bekommt fast keine Förderung, obwohl ich sehr den Eindruck hatte, dass sie mich am nächsten Tag wiedererkannt hat und gerne kommunizieren würde

IMG_0582 Die Pflegerinnen geben sich liebevoll Mühe, aber die Umstände sind auch hier afrikanisch- schwierig.

Die meiste Zeit unseres Aufenthaltes haben wir mit Markus Albrecht geteilt, ein Chirurg aus dem „Emmaus“ – Krankenhaus in Niesky. Er wurde von dem ehemaligen langjährigen Mbozi- Arzt Dr. Mieske „angespitzt“ und schaut sich Mbozi für zwei Wochen an. Natürlich blieb es nicht beim „anschauen“…

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Markus auf unserem schönen Abschluss- Spaziergang auf den „Mlima Nero“

Dieser Spaziergang war ein echter Genuss und hat uns die wunderschöne Umgebung von Mbozi gezeigt

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Ja – das ist in Afrika und nicht in Süddeutschland!

Sogar Pilze gibt es reichlich, obwohl Josef, der uns geführt hat und der sich super mit Pflanzen und Bäumen auskennt, uns vom Sammeln abgeraten hat – es gibt doch auch einige giftige Arten

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Sieht doch sehr schmackhaft aus!

Neben Waldfrüchten gibt es auch anderes, was man fangen und essen kann, nämlich Termiten. Sie werden aus diesen Gruben- Fallen abgesammelt, über dem Feuer geröstet und gegessen (oder auch lebendig…). Aber auch das mag Josef nicht wirklich…

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Termitenfalle: unter den Blättern ist es angenehm kühl, da halten sie sich gerne auf

Der Berg selber war eine Überraschung: es gibt ihn nämlich fast nicht mehr. Die „Chinesen“ haben den Granit abgesprengt und als Schotter für den Straßenbau verwendet. Jetzt sind die Chinesen zwar weg und ein riesiges Loch ist da, aber der Stein wird immer noch abgebaut: mit Feuer in kleinere Stücke gesprengt und in mühevoller Handarbeit in kleine Schotterstückchen geklopft

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Den Berg bekommt er in zwei Wochen klein gehauen, hat er uns glaubhaft versichert

Da es keine Handschuhe, geschweige denn sonstige Schutzausrüstung gibt, sind Verletzungen häufig und Markus wird nicht arbeitslos werden.

Ein paar Felsen gibt es aber doch noch ganz oben, auch wenn die Spitze schon abgesprengt wurde. Die Aussicht ist jedenfalls immer noch fantastisch!

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Markus, Josef und ein Kind der Stein- Klopfer

Abgesehen von der schönen Landschaft sind es auch in Mbozi die herzlichen und aufgeschlossenen Menschen, die das Hier- Sein so wertvoll machen und die Wahl zwischen Isoko und Mbozi echt schwierig…

Heute sind wir, wie gesagt, noch neben dem Zoo und morgen geht es, zu der „Einweihungs- Feier“ für das neue Auto des Waisenprojektes, zurück nach Isoko.

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Schoß- Hündchen? Nein, lieber nicht – das ist eine echte Hyäne

 

 

 

 

 

 

 

 

Erste Schritte im neuen Jahr

Jetzt ist zwar schon 2018, aber ich werde den Blog nicht umbenennen…
Der Silvesterabend und die Neujahrsnacht waren für uns recht ruhig, wir waren allein und haben, statt des traditionellen Racchlettes, frische, sonnengereifte Ananas gegessen

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Lecker und viiiel gesünder als Racchlette…

Gegen 3 Uhr in der Nacht bin ich mal wach geworden, von lautem Lärm unten im Dorf. Es klang, als sei ziemlich viel Alkohol im Spiel und ich war froh, dass wir oben im Krankenhausgelände in einem sicheren Haus wohnen.
Am Dienstag ging dann der Alltag wieder los: Stephan und die Gärtner haben im Wald Pfosten geschlagen für den neuen Zaun. Es sind ordentliche Baumstämme, da wird der Zaun schön stabil werden! Artemisia haben sie auch wieder geerntet, aber das Trocknen ist schwierig, denn das Wetter sieht meistens so aus:

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Isoko versinkt im Regen

Stephan ist dabei, Konstruktionspläne für einen Trocknungsschrank zu machen, der auch mit wenig Sonne ein effektives Trocknen ermöglicht, aber ob dieses Projekt noch zeitlich reinpasst, muss man sehen. Aus Deutschland haben uns via Bad – Boll -> Dar es Salaam ->  Rungwe (neben einem neuen Scheren- Schärfgerät für die stumpfen Krankenhaus- Scheren), 3 Hygrometer erreicht. Diese neuen Hygrometer, mit denen man den Trocknungsgrad der gelagerten Pflanzen bestimmen kann, werden getestet und sie scheinen ganz gut zu messen – zumindest zwei der drei Geräte zeigen den gleichen Wert, eines ist immer etwas „voraus“.
Am Mittwoch habe ich wieder, nach der Weihnachts- und Silvesterpause, ein Seminar gehalten, diesmal zum Thema: „Wie kann ich die Blutungsmenge abschätzen“. Asekisye hatte mir Pflanzen gezeigt, die Wasser rot färben und so habe ich 3 L „Blut“ hergestellt (obwohl es mehr lila als rot war…).

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Selbst gemachtes „Blut“

Wir hatten diese Fortbildung auch schon im s’Hebammenhaus gemacht und es ist eindrücklich, dass man eigentlich in der Regel den Blutverlust geringer einschätzt, als er tatsächlich ist. Aber es ist auch gut zu wissen, wieviel Verlust die meisten Menschen problemlos wegstecken. Eindrücklich war auch, dass ich vorspielen konnte, wie es ist, wenn die Sachen nicht im Schrank sind, wo sie hingehören: Spritzen sind keine mehr da, das Medikament ist gerade nicht da, die Hebamme ist alleine und keine Hilfe in der Nähe – und die ganze Zeit läuft das Blut. Leider nicht erfunden… Das mit den „Fünf S“ klappt noch nicht so wirklich. Zum Glück gibt es „Rettungsstrategien“ und die haben wir zusammen besprochen und (wieder) ins Bewusstsein geholt.
Am nächsten Tag mussten wir überraschend noch einmal nach Mbeya wegen unserer Aufenthaltsgenehmigung (diese Angelegenheit würde einen ganzen Blog füllen) und konnten glücklicherweise unseren geplanten Aufenthalt in Mbozi vorverlegen, so dass uns eine weitere Fahrt erspart blieb.

Mbozi liegt zwischen Mbeya und der Grenze nach Zambia und ist auch eine Gründung der Herrnhuter Missionare mit einem Krankenhaus. Ich war schon zweimal hier vor gut 10 Jahren und wollte unbedingt die Gelegenheit zu einem Besuch nutzen.

Am Freitag haben wir einen sehr ausführlichen Rundgang gemacht und haben alle Abteilungen besichtigt. In 2011 wurde eine zum Krankenhaus gehörige Krankenpflege- und Hebammenschule eröffnet, in einer Kooperation mit der Universität in Genf. Der Schulleiter und die Lehr- Hebamme haben mich gleich „einkassiert“ zum Unterrichten – so viel, wie in einer Woche möglich ist.

Das Krankenhaus ist gerade dabei, sich von einer sehr schweren Krise zu erholen und steht vor großen Herausforderungen. Leider ist das Internet hier in Mbozi ziemlich schwach, so dass ein ausführlicher Blogbeitrag erst nächstes Wochenende kommen wird, wenn nicht jedes Bild 5 Minuten zum Hochladen braucht!