Weihnachtsmarkt, Rungwe, Lutengano

Was tut Ihr mir leid auf den deutschen Weihnachtsmärkten: eiskalte Nasen und Füße, Gedränge und „Stille- Nacht“- Gedudel in Dauerschleife!

Mbeya hat auch einen Weihnachtsmarkt, zu dessen Besuch ein T- Shirt statt Wintermantel ausreicht. Er ist auf dem Gelände eines Restaurants und wird von Hilfsorganisationen und Künstlern bestückt. Ich hatte den Markt letztes Jahr kennengelernt und wir hatten die Idee, mit dem Artemisia- Garten- Projekt dorthin zu gehen, um Tees und andere Artikel zu verkaufen und mögliche neue Absatzmärkte zu erschließen. Enea hat sich mit dem Waisenprojekt angeschlossen und eigentlich sollte auch Michael Mwakalo mit seinen Produkten aus Matema dazu kommen, aber er hat morgens kurzfristig abgesagt.

In den vorausgehenden Wochen und Tagen wurden Tee- Tüten abgepackt und mit einem über einer Kerze heiß gemachten Messer verschlossen

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Asekisye hat Erfahrung – wir haben keine Brandblasen behandeln müssen

Ebenso wurden Salben, Massage- Öle und Hustensaft gekocht und in kleine Töpfchen und Flaschen abgefüllt.

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Die Salbenküche: Artemisia- Ölauszug und Bienenwachs – alles wertvolle, natürliche Zutaten

Diese Töpfchen hatte uns Enea aus Mbeya besorgt. Sie waren vorher mit Lebensmittelfarbe gefüllt gewesen und ein findiger Mensch hat sie gesammelt und verkauft sie nun. Sie haben eine gute Größe für die Salben und dicht schließende Deckel. Auswaschen mussten wir sie noch selbst, aber das ging sehr gut. Neue, ungebrauchte Töpfchen sind sehr viel teurer. Das Material muss man ja auch auf den Verkaufs- Preis kalkulieren – das wird dann zu teuer für die meisten Menschen, für die diese Produkte ja gedacht sind.

Ein „Label“ hatten wir schon aus Deutschland mitgebracht, von unserem Sohn gefertigt, mit dem Emblem der Herrnhuter Brüdergemeine. Es ist variierbar und kann auch von anderen Herrnhuter Projekten genutzt werden. Wir erhoffen uns davon einen Wieder- Erkennungswert auch an anderen Verkaufsstellen.

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Neema, eine ehemalige Betreute vom Waisenprojekt (und unsere Köchin) klebt die Label auf die Tüten

In Mbeya hatten wir ein schönes Plätzchen unter einem schattigen Baum

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Weihnachtsmarkt in Mbeya ohne Weihnachtsmänner!

Es gab auf dem Markt sehr schöne, hochwertige Kunstwerke und Genähtes, alles in Handarbeit hergestellt und zu afrikanischen Preisen. Wir haben wunderschöne Geschenke erstanden und werden nun das Problem des Transportes haben…

Unser Stand war von interessierten Menschen frequentiert. Es gibt in Mbeya und Umgebung viele Projekte, die von Weißen unterstützt werden und diese kamen (fast) alle irgendwann im Laufe des Tages auf den Weihnachtsmarkt. So konnten wir interessante Kontakte knüpfen und hoffen auf weitere Bestellungen, zum Beispiel für das Massageöl, das momentan zum testen nach Matema zu einer Masseurin geht.

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Anhand des Anamed- Posters, das viele Heilpflanzen und die Anwendungs- Indikationen zeigt, konnten wir beraten und unsere Produkte erklären

Wir hatten einen sehenswerten Umsatz (über das doppelte des bisherigen Jahresumsatzes) und nehmen einige neue Kontakte und Ideen mit zurück nach Isoko. Außerdem war es einfach ein netter Tag mit interessanten Gesprächen mit bekannten und unbekannten spannenden Menschen – und dem weltbesten Mocca- Eis- Milchshake – statt Glühwein!

Zurück sind wir nicht nach Isoko sondern nach Rungwe gefahren, dem Sitz der Kirchenleitung dieser Provinz und Wohn- und Arbeitsort von Claudia Zeising, der Projekt- Koordinatorin hier in der Südprovinz. Rungwe liegt am Fuße des Mount Rungwe, eines beeindruckenden Berges mit Urwald und Affen. Besteigen kann man ihn allerdings nur in der Trockenzeit, jetzt sind die Wege unpassierbar (das kommt auf die Afrika- To- Do- Liste).

In Rungwe hat die Kirche ein Avokado- Projekt gestartet, als Einkommen- generierendes Projekt. Stephan hat sich am Sonntag die Plantage mit fachmännischem Blick angeschaut, geführt von dem Projekt- Verantwortlichen (einem Pfarrer…).

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Ein Abschnitt der riesigen Plantage

Ich habe sie begleitet – was ich dann etwas bereut habe, weil wir am fernen, anderen Ende der Plantage in einen sehr heftigen Regen- Gewitter- Sturm geraten sind und nass bis auf die Knochen zurück kamen – immerhin nicht vom Blitz oder einem Baum erschlagen.

Die Plantage gibt 300 Angestellten Arbeit und zur Erntesaison kommen noch etwa 1 000 Arbeiter dazu. Interessanterweise sind es meistens Frauen, die Männer „arbeiten eher im Straßenbau“. Das Gelände gehört der Kirche und sie planen noch weiter zu expandieren, weil sich der Verkauf sehr lohnt. Die Früchte sind unbehandelt, gute Qualität, organisch gedüngt und werden in Kühlcontainern nach Frankreich verschifft.

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Die Fruchtansätze versprechen reiche Ernte

Am derzeit oberen Ende (da wo der Sturm losgebrochen ist) haben sie eine Baumschule unter hohen Eukalyptusbäumen eingerichtet. Klugerweise wollen sie zusätzlich noch Macadamia- Bäume dazu pflanzen, um eine Alternative zu Marktpreis- Schwankungen und Ernteausfällen zu haben.

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Avokado- Setzlinge aus Eigen- Zucht

Mit einigen umliegenden Bauern gab und gibt es wohl Ärger, weil diese das kircheneigene Gelände bisher für ihre Farmen genutzt haben. Ich hoffe, dass sie gute Wege finden.

Stephan hatte einige Bemerkungen zum Baumschnitt und hat auch sehr zu zusätzlichen Alternativ- Bäumen geraten, um sich nicht völlig von einem einzigen Produkt abhängig zu machen. Monokulturen sind mir immer etwas unheimlich, aber Avokados sind gut an das Klima angepasst, sind ordentlich große Bäume mit großen Blättern, der Boden ist mit Blättern und Gras bedeckt (anders als in vielen Mais- Pflanzungen) und wenn der Marktpreis schlecht ist, haben sie immer noch was zu essen.

Am nächsten Tag habe ich die Dispensary in Rungwe besucht, die auch zur Kirche gehört. Ein Arzt, eine Krankenschwerster/Hebamme und zwei Helferinnen versorgen die Patienten und die Schwangeren. Sie haben nur einige wenige Geburten, weil sie alle Erstgebärenden und ab dem 4. Kind zur Geburt in das relativ nahe gelegene Krankenhaus schicken.

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Die Hebamme in ihrem „Kreißsaal“

Wir haben über aufrechte Gebärhaltungen gesprochen, was sie hoffentlich als Anregung umsetzen – jedenfalls fanden sie es, nach den Erklärungen, sehr logisch und naheliegend. Über Mission 21 gibt es einen Kontakt zu einer Organisation, die gebrauchte, aufbereitete und noch sehr gute Geräte nach Afrika bringen. Von der Dispensary bekomme ich eine lange Liste, mit fehlender Ausstattung. Mir war aufgefallen, dass sie keine Infusionsständer haben. Auf meine Frage hin sagten sie mir, dass sie Infusionen an einem Nagel am Fenster aufhängen. Nun – ein Infusionsständer kommt ganz oben auf die Liste.

Sehr gute Gespräche konnten wir mit Claudia Zeising führen, die uns sehr gastfreundlich versorgt hat. Claudia hat vielfältige Erfahrungen aus unterschiedlichsten Projekten, die sie betreut hat und konnte uns wertvolle Tipps für das Artemisia- Projekt geben. Zum Beispiel sollten Anträge auf Zuschüsse eine bestimmte Form haben, Berichte nicht nur aus 2 Sätzen bestehen und es müssen dringend ein paar Grundlagenpapiere erstellt und besprochen werden. Beispielsweise gibt es noch gar keine Projektbeschreibung (oder zumindest keine aktuelle) oder Stellenbeschreibungen der Mitarbeiter. Auch der neue Abrechnungsmodus, den wir schon mit Johannes Klemm vorbesprochen und mit Claudia modifiziert haben, muss verschriftlicht, diskutiert und bei den richtigen Stellen (Krankenhaus und Kirchenleitung) eingereicht werden. Bürokratie… Aber wenn die Grundlagen erstellt sind, wird es einfacher – das kenne ich aus unserem Qualitätsmanagement- System.

Claudia hat außerdem ein wunderbares „Outdoor- Büro“ sprich: eine Terrasse mit Steckdose und wunderbarem Blick in den Garten und in blühende Bäume.

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Mit solchen farbenfrohen Besuchern macht das arbeiten Freude! (Rotbrust Glanzköpfchen, ein Nektarvogel)

Unsere nächste Station war das Theologische College in Lutengano. Der Schulleiter persönlich hat uns bei Claudia abgeholt und uns in einer guten halben Stunde nach Lutengano gebracht. Irgendwie (Mails nicht richtig gelesen?) hatten sie geglaubt, dass wir für mehrere Jahre dort bleiben und Stephan ihr geplantes Avokado- Projekt betreut. Diesen Zahn haben wir schon auf der Hinfahrt ganz schnell gezogen…

In dem College sind etwas über 50 Theologie- Studierende (davon 8 Frauen), die verschiedene Stufen der Ausbildung absolvieren, um Pfarrer/in oder Evangelist/in zu werden. Auch hier gibt es große, College- eigene Ländereien, die mit Avokados bepflanzt werden und dem College reiche, dringend benötigte Einnahmen bescheren sollen.

Wir waren uns etwas unsicher, was wir dort unterstützen könnten, zumal Avokado- Plantagen nicht Stephans tägliche Arbeit sind. Aber wir wurden auch hier sehr nett im großen Versammlungssaal willkommen geheißen. Als wir von dem Artemisia- Projekt erzählt haben, kam sofort die Bemerkung eines Studenten (der darüber seine Diplomarbeit schreiben will), dass doch die alten Missionare die „Natural Medicine“ als vom Teufel und bösen Geistern besessen, verboten hätten. Nun – da haben wir ja unser Thema. Ich wurde außerdem gebeten, mal ein extra Treffen mit den Frauen zu machen.

Das Projektgelände konnten wir leider wegen heftigem Regen nicht besichtigen, aber abends hat Stephan, mit Hilfe seines kleinen Filmes, eine erste Einheit zur nachhaltigen Landwirtschaft und Bodengesundheit unterrichtet.

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Die Studierenden im „großen Auditorium“. Die Leinwand war ein weißes Tuch

Wir hatten unseren Mini- Beamer mitgebracht, aber sie haben auch einen eigenen Beamer (von Mission 21 gesponsort), der gute Dienste tut.

Untergebracht waren wir in dem Gästehaus, nur gerade ohne fließend Wasser, aber es gab außen einen großen Tank, wo man Wasser holen konnte – was bei den Wasserspül-Toiletten sehr sinnvoll ist. Ein Moskitonetz wurde uns auch noch gebracht, aber Moskitos haben wir keine gesehen, wahrscheinlich haben die Spinnen sie schon alle aufgefressen.

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Afrika ist kein guter Ort für Spinnen- Phobikerinnen oder gerade – zum heilen 😉

Am nächsten Morgen, nach der Morgenandacht (die hier locker so lange dauert, wie bei uns ein Sonntags- Gottesdienst), sind wir mit der ganzen Mannschaft in das Projekt- Gelände gezogen.

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Stephan erklärt ein paar Grundlagen des Baumschnittes

Einige Bäume gibt es schon und ein Teil des Geländes ist vorbereitet, eine Baumschule gibt es allerdings noch nicht. Dafür haben sie auch schon einen Wald mit Pinien für Bretter gepflanzt – auch das bringt ganz gutes Geld. Wir haben mehrmals dringend dazu geraten, mit Rungwe Kontakt aufzunehmen und einige Arbeiter zur Schulung dorthin zu schicken.

Stephan konnte anhand eines vorbildlichen Feldes zeigen, dass es der Bodengesundheit nutzt, wenn man den Mais mit anderen Gemüsesorten unterpflanzt, wie Bohnen und Erdnüsse. Das spart Dünger und Wasser und gibt zusätzliche Nahrung.

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Vier – in – Eins: Cassava, Mais, Bohnen und Erdnüsse

Nach dem Frühstück, das es erst um 10 Uhr gab, wurden wir eingeladen, den Kaparogwe- Wasserfall zu besichtigen, der wenige Kilometer außerhalb von Lutengano liegt und als sehenswerter Touristenort in vielen Reiseführern erwähnt wird. Der Schulleiter und ein Lehrer kamen mit und natürlich ein ortskundiger Fahrer – sonst findet man die versteckte Naturschönheit nie…

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etwa 50 m im freien Fall

Ein beeindruckendes Erlebnis ist es, hinter den Wasserfall in eine Felsgrotte zu gehen

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Wir sind noch zu dem kleinen Teich runter geklettert und danach ganz hoch und haben den Absturz von ganz oben besichtigt. Keine 5m vom Absturz entfernt haben 3 Jungs kleine Fischchen geangelt. Sie schienen schon viel Erfahrung zu haben…

Zurück in Lutengano hat Stephan nochmal eine Einheit unterrichtet und abends hatte ich in kleiner Runde sehr offene Gespräche mit den Studentinnen. Ihre Haupt- Klage war, dass sie nicht ernst genommen werden als Pfarrerinnen und schon gar nicht in leitenden Positionen. Ich fürchte, es wird noch ein weiter Weg sein bis dahin… Aber wir haben besprochen wir man Pfarrfrauen – und Pfarrerinnen- Treffen organisieren kann und dass man mit kleinen Beiträgen viel erreichen kann. Auch Verhütung war ein großes Thema und Nebenwirkungen von hormonellen Verhütungsmitteln – da konnte ich einiges aus dem Heilkräuterwissen weitergeben. Der Austausch war sehr wertvoll und schön.

Den nächsten Morgen hatten wir für das Thema Heilpflanzen und Traditionelle Medizin reserviert. Was war die Motivation der Missionare, die Traditionelle Medizin als sündhaft zu bezeichnen und zu verbieten? Was unterscheidet einen „Hexendoktor“ von einem „Weisen Heiler“ dessen Heilmittel man vielleicht doch anwenden darf? Oder Omas Heilmittel, die sie mir immer gegeben hat? Was sagt die Bibel zu den Heilpflanzen? Diese Fragen haben wir diskutiert und versucht, Unterscheidungs- Kriterien an die Hand zu geben: Offenheit, kein „Brimborium“ drumrum, keine Geheimniskrämerei, kein Angst- machen. Und wir haben dazu ermutigt, immer „mit dem eigenen Kopf denken“ und nicht alles, was von Weißen kommt, automatisch für wahr halten. Wir sind sehr gespannt auf die Diplomarbeit!

Neben der Theorie habe ich einige kleine Anwendungsbeispiele gebracht, wie Zwiebel- Wickel bei Ohrenschmerzen, Zwiebel- Honig- Hustensaft und die Anwendung von Knoblauch. Auch in dieser großen Runde war die Offenheit der Fragen und Gespräche großartig. Man hat das deutlich höhere Bildungsniveau gespürt und das ehrliche Interesse an diesen Fragen.

Am frühen Nachmittag wurden wir vom Krankenaus- Auto abgeholt, das sowieso gerade unterwegs war, um Dr. Shibanda von einem Treffen von kirchlichen Gesundheitseinrichtungen abzuholen. Es ist ihnen gelungen, ein Treffen mit dem Präsidenten zu vereinbaren, um ihm die Wichtigkeit der kirchlichen Arbeit deutlich zu machen. Hoffen wir, dass es gelingt…

Für 15 Minuten waren wir in Malawi – gerade über den Grenzfluss. Die Grenzbeamten haben nur freundlich gegrüßt.

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In Malawi

Der Fahrer hat sich noch mit Fisch eingedeckt. Bis Isoko hat er eine nette Staubschicht…

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Der ist bestimmt sehr gesund!

Unterwegs bekamen wir ein Parade- Beispiel für die Wichtigkeit der kirchlichen Gesundheitseinrichtungen geliefert: aus dem Regierungs (!)- Krankenhaus in Itumba kam eine Notfallmeldung, sie wollen eine Schwangere nach Isoko verlegen, die Krampfanfälle hatte (Eklampsie). Sie können gerade in Itumba keine Kaiserschnitte durchführen, weil das Anästhetikum ausgegangen ist…

Nach einer guten Stunde waren wir dann im Krankenhaus, das Auto aus Itumba war kurz vorher gekommen. Alles war dunkel – Stromausfall. Im OP hatten sie aber zwei OP- Lampen, die auch ohne Stromanschluss funktionieren – sonst wäre es schwierig geworden. Die junge Frau (18 Jahre) hat glücklicherweise seitdem nicht mehr gekrampft, aber es sei kein kindlicher Herzschlag zu hören und der Verdacht auf Zwillinge bestand – oder ein sehr großes Kind.  Der Kreißsaal war auch komplett dunkel und ich war dankbar über meine gute Solarlampe und die Handy- Taschenlampe.

Ich bin mit in den OP gegangen, weil die Nachtschwester noch nicht da war. Sie haben sich gewundert, dass ich den Beatmungsbeutel mitgenommen habe – es gab doch keinen Herzschlag. Aber ich bin lieber vorbereitet. Bei der OP kam heraus, dass die Schwangere viel zu viel Fruchtwasser hatte -ich konnte gerade noch zur Seite springen, sonst wäre ich geduscht worden. Dr. Kapungo hat einen winzigen kleinen Jungen herausgeholt (1600gr), der tapfer ein bisschen gemeckert hat – also doch ein lebendes Kind 🙂  Der Kleine brauchte dann aber noch einige Untersützung, mehrere Beatmungen und eine warme Decke – auch diese war nicht vorbereitet. Zwischendurch habe ich ein paarmal gedacht, dass er wieder geht – aber er hat durchgehalten, auch ohne Sauerstoff- Gabe, da es nur Sauerstoff gibt, wenn auch Strom da ist. Er durfte dann zur Oma kuscheln und ich habe sie angewiesen, ihm nachts Zuckerlösung zu geben. Am nächsten Morgen habe ich ihn laut schreien hören und ein bisschen Milch lecken sehen. Nachher gehe ich wieder hin und dann machen wir die Känguruh- Methode. Die Mutter hat sich, Gott sei Dank, auch gut erholt und wird weiter überwacht. Nach mehreren Krampfanfällen, stundenlanger Behandlungsverzögerung und dann noch eine Stunde Holperfahrt von Itumba nach Isoko ist das wirklich ein Wunder!

(Hier sollte ein Bild vom Baby sein, aber ich hatte keine Karte im Fotoapparat…  Bild wird also nachgeliefert!)

Leider muss ich mitteilen, das der Kleine heute Nacht verstorben ist. Ich vermute innere Fehlbildungen, verschiedene Symptome haben darauf hingedeutet. In Deutschland hätte er bestimmt operiert werden können…  Immerhin konnte seine Mama ihn für 2 Tage bei sich haben und er war eingekuschelt bei ihr.

 

 

 

 

 

 

 

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Kirche und Glaube

Heute ist 1. Advent – zumindest in Tansania. Ewigkeit-/Totensonntag fällt flach, es geht direkt vom „24. Sonntag nach Pfingsten“ zum 1. Advent. Vielleicht kann das eine/r der klugen mitlesenden TheologInnen erklären? Ist das die englische Zählweise des Kirchenjahres? Der 5. Advent (er heißt wirklich so), ist dann der 24. Dezember.

Heute im Gottesdienst hat man allerdings, außer dass der Name erwähnt wurde, nichts davon gemerkt. Wir „durften“ wieder vorne beim Pfarrer sitzen, was den Nachteil hat, dass die Lautsprecher- Box viel näher ist. Die Stimmen der jeweiligen Prediger könnten mühelos ein Fußballstadion füllen – ohne Mikrofon. Nun ist die Kirche in Isoko kein Stadion und die Prediger haben ein voll aufgedrehtes Mikro vor dem Mund. Jetzt könnt Ihr Euch die Lautstärke in etwa vorstellen. Heute habe ich mir unauffällig Ohropax in die Ohren gemacht, damit mein Trommelfell überlebt…

Lautstärke scheint ein wichtiges Element einer guten Predigt zu sein. Die Predigt heute wurde hinterher sehr gelobt – nur für etwas zu lang empfunden. Dabei war sie nur ca. 45 Minuten lang. Andere Prediger stellen Fragen oder holen sich Rückmeldungen aus der Gemeinde. Dabei laufen sie vor der Gemeinde herum und schauspielern. Das scheint oft sehr lustig zu sein, es wird viel gelacht.

Außerdem ist das „Jesus sei gepriesen“, „Halleluja“ oder „Unser Lamm hat gesiegt“ – mit den jeweiligen Antworten der Gemeinde, wichtiger Teil der Ansprachen. Ich glaube, dass sie es immer sagen, wenn sie eine kurze Denkpause brauchen: alle Predigten werden frei gehalten, abgelesen wird gar nichts.

Über die Musik und die Chöre habe ich ja schon einiges geschrieben. Heute hatten die Frauen des Chores besonders schöne Kleider 🙂

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So ein schönes rosa!

Mir gefällt das Tanzen während des Singens immer besser. Heißt es nicht: „Wer singt betet doppelt“? Wie muss das Gebet dann erst sein, wenn man dazu noch tanzt? Die Gesichter der Sängerinnen und Sänger drücken Freude aus, viele strahlen und je lauter das E- Piano zwischen den Strophen spielt, desto schwungvoller sind die Bewegungen. Es gibt ja auch bei uns den Begriff „Körpergebet“, aber diese Einheit von Körper und Geist ist etwas besonderes.

Ein wesentlicher Teil des Gottesdienstes ist natürlich das Einsammeln der Kollekte. Während der Chor singt, läuft die Gemeinde in einer langen Schlange, bankweise hintereinander an dem Kollektenkasten vorbei. Viele der Frauen machen einen (angedeuteten) Knicks, wenn sie das Geld einlegen. Dieses Knicksen erlebe ich auch oft bei Begrüßungen, beim Geben oder Empfangen von Geschenken und erst recht beim Bedanken, zum Beispiel nach einer Geburt. Dann legt sich die frischgebackene Oma schonmal ganz auf den Boden, mit dankbar hochgestreckten Händen. Ich empfinde das (nicht das auf den Boden schmeißen – das geht mir dann doch zu weit…) inzwischen als schöne Geste der Anerkennung und Hochachtung des Anderen, desjenigen, dem ich etwas gebe oder von dem ich etwas empfange. Auch hier drückt der Körper etwas aus, was der Mund spricht – als Einheit.

Der Glaube durchzieht auch im Krankenhaus den Alltag. Morgens gibt es, nach einem Lied, eine kurze Andacht zur Losung, meistens (ohne Vorbereitung) gehalten von einem der Hausmeister.

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Kurze Auslegung von Losung und Lehrtext und ein Gebet, immer mit einem fröhlichen Gesicht

Dieser hier hat eigentlich immer den Text vom richtigen Tag. Andere suchen sich, glaube ich, einen netten Text aus… Wir können das „kontrollieren“, weil wir eine tansanische Losung haben und ich, nach unserer eigenen Morgenandacht am Frühstückstisch, zum Lernen auch immer den Text auf Kisuaheli lese. Leider ist die Beteiligung des Personals an der Andacht sehr mager, viele fangen lieber schonmal mit Putzen oder anderen Tätigkeiten an. Aber ich finde es einen schönen Einstieg in die Arbeit, wenn man den Segenswunsch „Geht im Frieden des Herrn“ für den Tag mitbekommt.

Dr. Shibanda und viele andere sind tiefreligiöse Menschen. Ob Spenden von Mission 21 oder HMH angekommen sind oder eine Geburt glücklich ausgegangen ist, wird „der Allmächtige“ mit bedankt und es ist klar, dass sehr viel nicht in unserer Hand liegt – allem Bemühen zum Trotz.

Interessanterweise geht das, zumindest bei sehr Vielen, parallel zum Glauben an die Macht der Verstorbenen und an Hexenkraft einher.

Enea hat von Hausbesuchen bei hochbetagten Frauen erzählt, die zum Teil von den Angehörigen sehr schlecht gepflegt werden und, wenn sie nicht mehr laufen können, monatelang nicht an die frische Luft kommen. Die Angehörigen sind oft den ganzen Tag auf dem Feld oder bei der Arbeit und die alten Frauen sind allein im Haus.

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Diese Frau hat, wegen einer Lähmung, seit Wochen die Hand nicht geöffnet bekommen. Enea hat sie vorsichtig aufgemacht, es hätte sehr gestunken und die Haut sei „voller Pilz“ gewesen

Eigentlich wäre ein kleines Altenheim mit geschulten Pflegekräften gut (sie wohnen zu weit auseinander, um von einer Kraft durch Hausbesuche gepflegt zu werden). Manche Angehörige wollen die Mutter auch zu sich in die Stadt holen, aber jeder Umzug wird abgelehnt, weil

„Mein Mann ist doch hier neben dem Haus begraben und ich kann ihn nicht verlassen! Er kommt dann in der Nacht und ruft mich!“

Diese Aussage hat Enea von vielen gehört.

Michael aus Matema hat wilde Geschichten erzählt von Menschen, die auf schreckliche Weise mit Macheten gelyncht wurden, weil sie der Hexerei beschuldigt wurden. Das braucht nur die Aussage eines „Traditionellen Heilers“, der das, wie auch immer, herausfindet und auf bestimmte Personen fokussiert. Meistens sind die „Hexer“ oder „Hexen“ Schuld an dem Tod oder Unglück eines anderen – sie hätten es herauf beschworen. Auch das macht leider vor Kirchentüren nicht halt und ist der Grund, warum viele traditionellen und pflanzlichen Heilmethoden von der Kirche als Institution abgelehnt werden. Da sind unsere Heilpflanzen- Projekte, die unter dem Dach der Herrnhuter Brüdergemeine laufen, ein ermutigendes Gegenbeispiel und verpflichten uns zu Transparenz und Aufklärung.

 

 

 

„Fünf S“ und anderes

Jetzt haben doch mal die ersten Treffen für die Qualitätsverbesserung stattgefunden und die „Fünf S“ (siehe Blog- Beitrag „Lust und Frust“) wurden diskutiert. Immerhin gibt es dazu schon ein Plakat:

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Das Plakat hängt ziemlich unbeachtet neben der Apotheke

Mit dem Qualitätsverbesserungs- Team haben wir die QM- Methode „Fischgrätendiagramm“ („Ishikawa“) gemacht, um die Ursachen für das Fehlen der „Fünf S“ klarer zu bekommen. In dem Diagramm werden Ursachen für ein Problem in verschiedenen Kategorien gesammelt. Das hat erfreulich gut geklappt und bringt ein bisschen mehr Klarheit.

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Sieht etwas chaotisch aus, ist aber eine gute Methode, um Ideen zu sammeln und zu sortieren

Es kamen für mich bedrückende Dinge raus, zum Beispiel, dass viele der Angestellten seit März kein Gehalt bekommen haben. Ich weiß, dass Ntabuli, die Kreißsaalleitung einen Kredit aufgenommen hat, damit ihre Tochter weiter zur Schule gehen kann – und sie wird nicht die Einzige sein. Wie eine Regierung so ignorant sein kann, verstehe ich nicht…  Auch mit den Arbeitserlaubnissen scheint es Probleme zu geben. Dass darunter die Motivation leidet, ist verständlich. Einer der Hausmeister meinte, es gäbe zu wenig Zusammenhalt – das erlebe ich allerdings, soweit ich es verstehen kann, zumindest in unserer Abteilung nicht so.

Manche Dinge sind einfacher zu lösen. Heute war ein Treffen, zu der jede Abteilung Wünsche für die Ausstattung mitgebracht hat. Das reichte von zusätzlichen Tassen für die Kinder in der Kinderambulanz (damit sie nicht alle aus einer einzigen Tasse trinken müssen, um ihre Medizin zu schlucken), über eine Klobürste für das Kreißsaal- Klo, bis zu Wünschen nach einem neuen Anstrich für viele der Räume. Aus all diesen Ideen und Wünschen werden „Aktions- Pläne“ gemacht und schön in QM- Formulare geschrieben, mit Zeitvorgaben.

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Irgendwann lässt die Begeisterung auch mal nach und alle sind müde…

Als eine der ersten Aktionen zur Informations- Verbesserung haben wir am Mittwoch im wöchentlichen Seminar ein Quiz gemacht und für jeden gewussten Begriff der „Fünf S“ gab es einen Bleistift als Preis. Das hat allen Spaß gemacht 🙂

Ein großer Schritt zur Verbesserung ist der neue Kopierer, der diese Woche in Mbeya abgeholt wurde.

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Fast schon funktionstüchtig!

Die Begeisterung und die Dankbarkeit gegenüber den Spendern – in diesem Fall aus Deutschland über die Herrnhuter Missionshilfe –  ist sehr groß und fast beschämend. Das Strahlen der Gesichter von Mr. Sambo, dem Verwaltungsleiter und Dr. Shibanda hätte viele Glühlampen gespart!

Am Montag soll noch ein „Stabilisator“ (vielleicht für das wackelige Stromnetz?) gebracht werden von einem Menschen, der dann alles einrichtet und ein paar Verwaltungsangestellte einlernt. Der Kopierer soll auch Geld einbringen, indem „Fremdkopien“, zB für die Schulen, natürlich bezahlt werden müssen.

Stephan hat gestern Nachmittag ein erstes Seminar gehalten und zwar für eine Gruppe von Waisenkindern aus Eneas Projekt und einige ihrer Betreuerinnen (und noch ein paar andere, die sich dazu gesellt haben). Zuerst hat er im Garten ein paar Anbau- Prinzipien demonstriert, wie zum Beispiel das Mulchen und Nachbarschaftskulturen. Auch dieses Seminar soll dazu beitragen, dass die Kinder gut ernährt werden und als „Income Generating Activity“ – um sich selbst ein Einkommen zu schaffen.

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Tomaten – schön gemulcht (sie sind noch ziemlich klein…)

Großes Interesse erweckte auch der Sack mit den Kartoffeln. Eine super Methode, um auf kleinstem Raum eine große Ernte zu haben.

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Immer, wenn Grün rausschaut, wird Erde aufgefüllt (jetzt kann auch wieder aufgefüllt werden). Am Schluss ist der ganze Sack voll mit Kartoffeln – funktioniert auch in Deutschland!

Enea hat lebhaft übersetzt und kommentiert. Dann gab es den obligatorischen Reis mit Fleisch.

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Essen auf der Wiese – das erspart uns das Putzen hinterher…

Danach war es schon etwas dämmrig, gerade richtig um einen kurzen Film aus Kenia zu zeigen, der die Themen der nachhaltigen Landwirtschaft und Bodenverbesserung sehr schön aufgreift und praktischerweise in Kisuaheli gesprochen ist.

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Kino ist immer gut!

Am Schluss gab es noch für alle kleine Samentütchen, um das Gelernte gleich ausprobieren zu können.

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Kleine und große Gärtnerinnen und Gärtner

Das war eine sehr schöne Aktion und Enea will bei den nächsten Hausbesuchen nachschauen, was aus den Gärten geworden ist.

Am Mittwoch hatte ich ein sehr spektakuläres Erlebnis:

gegen Mittag hieß es, ich soll zu der Dispensary in Bwipa (schon wieder…) fahren, um eine Schwangere abzuholen, die beim ersten Kind einen Kaiserschnitt hatte. Nur – alle Fahrer waren weg. Der eine ist relativ frisch operiert, einer war auf einem Begräbnis und der dritte war morgens nach Mbeya gefahren für irgendwelche Krankenhaus- Geschäfte. Zufällig war gerade ein Arzt aus dem Polizei- (Militär-?) Krankenhaus in Morogoro hier in Isoko bei seiner Familie zu Besuch, der auch Auto fahren kann. Ihn haben sie mit mir in das Ambulanz- Auto gesetzt. Nun hat das Auto einige Probleme und ist ein bisschen „tricky“ und die Batterie ist runter, so dass der Motor nur mit Anschieben oder bergab- fahren anspringt. Beim Losfahren ging das ja noch, es waren genug „Schieber“ da. Klugerweise haben haben sie uns Amson, einen der Handwerker aus dem Krankenhaus, mitgegeben.

Kurz vor Bwipa fing natürlich wieder heftigster Regen an (der mit der Schmiereseife auf der Straße) und wir haben dem Doktor gezeigt, wo er umdrehen und auf der Hauptstraße warten kann. Amson und ich sind der Gruppe Frauen entgegen gegangen, die uns durch den Regen auf dem Stichweg zur Dispensary entgegen kam – alle paar Meter sind sie stehen geblieben, was auf ganz ordentliche Wehen bei der Schwangeren schließen ließ. Leider kam uns der Fahrer hinterher, ich habe ziemlich entsetzt gefragt, ob er den Motor angelassen hat – hat er nicht…

Rückwärts fahrend sprang der Motor nicht an und, als wir fast im Graben gelandet waren, sind wir (bis auf die Gebärende) alle ausgestiegen und haben das Auto den Berg hinunter zu der Stelle geschoben, wo man wenden kann.

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Amson schiebt und dirigiert die letzten Meter den Berg hinunter

Dort gab es eine ganze Familie, die das Auto umgedreht und Richtung Tal geschoben hat – dann ist es endlich angesprungen

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Gemeinsam geht’s! Zum Glück hatte der Regen inzwischen aufgehört

Die ganze Aktion hat ziemlich lange gedauert und als wir dann wieder eingestiegen sind, war mir schnell klar, dass das Baby nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Direkt auf dem Krankenhaus- Parkplatz ist dann, noch im Auto, ein kleiner Junge geboren worden, ziemlich blau im Gesicht, aber fit und gesund. Und der Mama ist ein weiterer Kaiserschnitt erspart geblieben!

Mein größtes Problem war, meinen weißen Kittel wieder sauber zu bekommen. Die rote Erde macht sehr hartnäckige Flecken…

 

 

Matema

Es tut mir sehr leid, aber jetzt muss ich Euch fürchterlich neidisch machen: wir waren nämlich gerade für drei Tage in Matema und das ist – wenn man nicht so genau hinschaut – ein Paradies.

Matema liegt am Lake Malawi und dort arbeitet die „Huruma Group“, die sich um Waisen und andere bedürftige Menschen kümmert und auch ein Heilpflanzen- Projekt betreibt. Michael Mwakalo (siehe vorletzter Blogeintrag), hat uns am Samstag abgeholt. Hier in Isoko hat er noch einmal ausführlich den Garten besichtigt und mit Asikisie besprochen, welche Pflanzen besser in Isoko wachsen, welche in Matema.

Dann sind Asikisie und wir beide in sein Auto gestiegen und Richtung Matema mitgefahren. Unterwegs haben wir ein paarmal angehalten, weil Michael uns eine bestimmte Pflanze oder einen Baum zeigen wollte. Wir haben auch noch sein Haus in Ngyekye, kurz vor Matema angeschaut. Es besteht aus mehreren Gebäudeteilen um einen Hof und beherbergt junge Männer in wechselnder Anzahl. Das Haus ist als Gemeinschaftswohnraum konzipiert, dort können bedürftige junge Männer kostenfrei leben, bis sie (wieder) auf eigenen Füßen stehen können. Das System hat mich an die Sozietät Herrnhaag erinnert und gefällt mir sehr gut. Dem Haus allerdings fehlt die „weibliche Note“: der Hof steht voll mit Pikipikis und die Räume, die wir sehen konnten, waren aus meiner Sicht recht ungemütlich… Asikisie hat dort bei Michael übernachtet, was für alle eine sehr gute Lösung war.

Es war schon dunkel, als wir am „Blue Canoe Safari Camp“ (auf eine Empfehlung hin) in Matema ankamen, aber wir wurden sehr freundlich willkommen geheißen, und in unser aus Schilf und anderen Naturmaterialien gebautes Strandhaus geführt. Den nächsten Tag, den Sonntag, hatten wir uns „frei“ gewünscht und uns mit Michael und Asikisie für Montag verabredet.

Unser freier Tag begann, nach dem obligatorischen Bad im See, mit einem köstlichen Frühstück mit Obstteller, Rührei und selbst gebackenem Brot (der Besitzer ist ein Bayer aus Augsburg) unter einem schattigen Baum mit Blick auf den See.

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So eine Aussicht am Frühstückstisch sollte man immer haben

Dann haben wir uns mit unsrere Camp- Nachbarin (aus der Gegend von Heilbronn) zusammengetan und sind mit dem blauen Kanu über den See gerudert worden.

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Das Kanu aus Mango- Holz, ziemlich wackelig und sehr schwer zu starten und zu lenken, aber unser „Fahrer“ Daudi hat Arme aus Eisen!

An dem gegenüber liegenden Ufer gibt es steinige Stellen, an denen wunderschöne bunte Fische leben und wir konnten sie schnorchelnd beobacheten.

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Leider hat Stephan keinen Unterwasserschutz für seine Kamera, aber einen kleinen Eindruck bekommt man doch

Zurück sind wir dann gelaufen, an der „Uferpromenade“ entlang. Matema lebt vom Fisch, im wahrsten Sinne des Wortes: Gärten gibt es kaum und wir bekommen später erzählt, dass das Hauptnahrungsmittel Maisbrei mit Fisch oder, zur Abwechslung, Cassava- Brei mit Fisch ist. Gemüse wird kaum gegessen.

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Die Netze werden mit den kleinen Fischchen ausgebreitet und in der Sonne getrocknet

Leider hat das Paradies einige Probleme: zum einen ist das die recht einseitige Ernährung, die, laut Michael, zu gesundheitlichen Problemen führt. Zum anderen werden diese Winz- Fischchen gefischt und zum Teil zu Hühnerfutter verarbeitet. Das sind sicher nicht nur kleine Arten sondern es sind auch viele Jungfische dabei, so dass ich nicht weiß, wie lange es noch dauert, bis der See überfischt ist. Immerhin gibt es, zumindest in Matema, keine großen Fisch- Trawler, die den kleinen Fischern alles wegfischen. Ebenfalls ein Problem sind auch hier die unglaublichen Mengen an Plastikmüll, die überall rumfliegen. Das ist sehr schade, denn das Ufer ist wirklich unglaublich schön.

Eine weitere Einkommensquelle sind die berühmten Töpferwaren aus dem Dorf Kikota, das ganz in der Nähe von Matema liegt. Die Frauen sind wahre Meisterinnen in der Töpferkunst mit einfachsten Mitteln. Auf unserem Weg hat uns eine Töpferin ihr Können demonstriert

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Ohne Scheibe, nur in einer gewölbten Unterlage gedreht

Auf dem Markt in Matema haben wir frische Ananas, Mangos und Papaya zu Spottpreisen gekauft und haben im Camp mit unseren Nachbarn Käsebrot (Käse vermisse ich wirklich…) und Obst zum Mittag gegessen.

Abends sind wir in die andere Richtung am Ufer entlang spaziert bis zu einer Flussmündung ganz in der Nähe, an der es tolle Vögel zu beobachten gibt und wo Krokodile und Nilpferde leben. Ein Krokodil hat in der Ferne die Nase rausgestreckt, ist dann aber bald im Schilf verschwunden.

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Das ist ein Graufischer, eine Art Eisvogel – davon gibt es eine ganze Kolonie

Auf dem Rückweg gab es einen Sonnenuntergang, als stünde der ganze Himmel in Flammen

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Ohne Worte…

Am nächten Morgen haben wir uns (natürlich nach dem Bad im See und dem tollen Frühstück, diesmal zusätzlich mit Pfannkuchen und selbst gemachter super leckerer Schokocreme. Hatte ich schon den Espresso erwähnt?) mit Michael und Asikisie getroffen, um das, bzw. die Projekte zu besichtigen.

Vorher sind wir bei einer Trauerfamilie vorbei gegangen,deren Kinder als Halb- Waisen von dem Huruma- Projekt seit viele Jahren unterstützt werden und deshalb Michael gut bekannt sind. Die zwei Jungs, deren Mutter früh verstorben war, sind in der höheren Schule bzw. College- Ausbildung. Ihr Vater muss schon lange psychische Probleme gehabt haben. Er war seit einigen Tagen verschwunden, man hatte nur sein Boot gefunden. Es war die ganze Zeit unklar, ob er sich selbst umgebracht oder nach Malawi abgesetzt hat. Gestern Abend hat man ihn dann doch tot aufgefunden und gleich begraben. Das Grab ist direkt neben dem Haus und drei Tage lang kommen Verwandte und Freunde und sitzen bei der Familie – und müssen natürlich verpflegt werden. Deshalb ist es üblich, dass die Gäste Lebensmittel oder etwas Geld mitbringen. Dann sitzt man, nach Männern und Frauen getrennt auf Matten beieinander und es wird geredet, Karten gespielt und gegessen. Wenn Verwandte kommen die weit weg wohnen, beginnt deren drei Tage Totenbesuch, wenn sie am Haus angekommen sind. Das heißt, dass sich die ganzen Toten- Feierlichkeiten recht lange hinziehen können. Michael sagte, dass es beim Tod seiner Mutter fast 2 Wochen ging und am Schluss waren er und sein Bruder „fed up“.

Danach haben wir zuerst das Projekt- Gelände in Matema selbst besichtigt, wo es Büroräume gibt und ein Park- artiges Gelände voll mit Moringa- Bäumen. Michael träumt davon, dort ein Cafe zu eröffnen, um Kaffee und aber auch Heilkräutertees zum Ausprobieren anzubieten. Der Platz ist perfekt – das kann, mit geschickter Architektur, sehr schön werden.

Direkt dahinter gibt es ein Feld, wo er, unter anderem, Moringa- Setzlinge zieht

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Baby- Moringa

Moringa hat einen hohen Gehalt an Nähr- und Schutzstoffen und ist besonders für die Nahrungsergänzung von HIV- Infizierten und anderen Kranken, stillenden Müttern (und Mutter- Sauen, wie wir später erfahren) und kränkelnden Kleinkindern geeignet.

Als besonderes Projekt in Matema hat Michael zwei recht große Felder mit Kakao- Bäumen, die er auch kontinuierlich erweitert und deren Ernte wohl recht gutes Geld bringt – immerhin sollen 5 Leute von dem Ertrag leben können – plus das Gehalt für die Sekretärin – plus die Unterstützung der Waisenkinder.

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Die Kakao- Plantage – alles Natur, ungespritzt. Die Blätter und die Kakao- Schalen dienen als Dünger und verbessern den Boden

Auf einem der Felder, weit hinein in der Ebene hinter Matema, hat er auch noch Mais angepflanzt, der allerdings ziemlich zerfressen aussieht

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Irgendein böser Käfer frisst den Mais auf

Da auch Neem sehr gut in Matema wächst, wird Michael, auf Stephans Rat hin, mal ein Neem- Spritz- oder Düngemittel ausprobieren. Auch in diesem weit entfernten Feld werden Moringa- Setzlinge gezogen, auch wenn die Bewässerung mühsam ist:

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James, einer der Mitarbeiter, holt Wasser zum Gießen

Außerdem hat Michael noch eine Schweinezucht – auch das bringt richtig gut Geld. Wir haben die Ställe besichtigt und die Tiere sind um einiges besser gehalten, als in den meisten deutschen Ställen…

Auf den Wegen durch die Plantagen und Felder haben wir alle viel erfahren, haben uns ausgetauscht und Stecklinge und Samen von Heilpfanzen am Wegesrand eingesammelt.

Mittagessen gab es bei Michaels Vater, der als Arzt im Hospital von Matema arbeitet. Leider hat er gerade geschlafen, es wäre noch interessant gewesen, mit ihm zu sprechen.

Am nächsten Mittag haben wir uns zu viert in unserem tollen Camp getroffen und haben eine Besprechung und Planung für die nächsten Schritte gemacht: wer produziert was bis wann und wie können die Zutaten ausgetauscht werden (zum Beispiel gibt es in Matema sehr günstiges Palmöl für Salben, dafür ist das Bienenwachs für die Salbenherstellung in Isoko viel billiger). Und die wichtigste Frage nach der Erschließung von Absatzmärkten.

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Unser Besprechungs- Büro. Da macht das Arbeiten doppelt Freude!

Michael und Asikisie hatten schon vorgearbeitet und To- Do- Listen und Ideen mitgebracht. Auch die Projekte in Rungwe und Mbeya sollen mit einbezogen werden – unter einem gemeinsamen „Label“. Wir sind überzeugt, dass der Bedarf eigentlich riesig ist und hoffen, durch gute Qualität, Wissen und Erfahrung Menschen überzeugen zu können.

Jetzt werden wir mit neuem Schwung und Ideen in Isoko weiter arbeiten und sehen, ob auch hier das Heilpflanzenprojekt seine Mitarbeiter selbst finanzieren und zusätzlich noch Gewinn abwerfen kann.

Am letzten Morgen sind Stephan und ich nochmal kurz nach Sonnenaufgang zu der Flussmündung gegangen und konnten ein riesiges Flusspferd bewundern, das sein morgendliches Bad im Lake Malawi genommen hat und dann, unter einigem herzhaften Gähnen, über den Strand in sein Schilfgras- Bett spaziert ist

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Mit einem geliehenen Fernglas war alles ganz nah zu sehen
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Ein Pracht- Exemplar! Wenn man die Tiere in freier Wildbahn erlebt hat, mag man in keinen Zoo mehr gehen…

Jetzt sind wir zurück im etwas kühleren Isoko, wurden mit vielen „Karibu“ begrüßt und zu Matema ausgefragt. Unterwegs haben wir noch für etwa 70 Cent einen riesigen Sack Mangos gekauft und Ananas und Melonen, so dass die Vitamin- Versorgung für die nächste Zeit gesichert ist!

Kleine und große Kämpfe

Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und für vieles braucht man viel Geduld und eine gute Portion afrikanischer Gelassenheit.

Hier ein paar Beispiele:

Enea ist vor 3 Wochen mit den beiden Waisenkindern nach Dar es Salaam gefahren, die dort von Spezialisten operiert werden sollten. Bei dem einen Kind mit der Augenlid- Fehlbildung hat das auch gut geklappt. Das andere Kind, der Junge mit den verbrannten Händen, sollte kurze Zeit später dran kommen – doch sie haben 10 Tage im Vorbereitungszimmer gewartet und sind jeden Tag auf den nächsten  vertröstet worden.

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„we are so tired“ – nach 10 Tagen warten

Ich bin so müde, schrieb Enea in ihrer letzten Nachricht: jetzt sind sie entlassen worden, ohne OP. Nächstes Jahr haben sie einen neuen Termin bekommen.

Diese Verzögerungen sind manchmal schwer zu ertragen. Mir geht es gerade mit dem Qualitätsverbesserungs- Projekt ähnlich. Trotz aller Zusagen, wird das Treffen der Verantwortlichen von Mal zu Mal verschoben, weil die Mitglieder des Ausschusses nicht da sind. Ich weiß, dass Asha ebenso darunter leidet.

Dabei wäre es bitter nötig, dass wir uns des geplanten Themas annehmen die „Five S“: sort, set, shine, standard, sustain. Also (grob übersetzt): – sortiert und alles vorhanden,  – alles an seinem Platz, – sauber, – den Standards entsprechend, – nachhaltig. Da sind wir recht weit von entfernt…

Eigentlich gibt es eine schöne Box mit Beschriftung, wo die Krankenblätter der Wöchnerinnen und wo die der Schwangeren hin gehören. Manchmal ist es ordentlich, manchmal muss man 30 Akten durchblättern, bis man die richtige gefunden hat.

Auch für den Schrank im Kreißsaal gibt es Beschriftungen – fragt nicht, wo die Sachen liegen.

Gestern habe ich mal die Helferinnen gebeten, mal die Schränkchen im Wochenbettzimmer abzuwischen – das hat sich gelohnt.

Asha hat neulich schöne lange Staubwedel gebracht, um mal die Decken von Spinnweben zu befreien.

Um im Wochenbettzimmer jemandem die Themperatur messen zu können, muss man erst in den Kreißsaal laufen und ein Thermometer holen (ich weiß, dass es mal eines in jedem Zimmer gab).

Dauernd kommt jemand in den Kreißsaal, um Handschuhe oder ähnliches „auszuleihen“ (was wiederum heißt, dass auf anderen Stationen noch schlechter ist…).

Diese Liste ist ziemlich endlos.

Das mit der Nachhaltigkeit ist auch schwierig. Kürzlich haben wir uns über Geräte mit Batterien unterhalten und dass leere Batterien giftig für den Boden sind. Alle sagten, dass verbrauchte Batterien einfach in die Gegend geworfen werden. Nicht einmal in Mbeya gäbe es eine Sammelstelle. Die Müll- Entsorgung ist sowieso ein großes Problem. Er wird in flachen Gruben gesammelt, von Hühnern, Hunden und dem Wind überall verteilt und ab und zu im offenen Feuer verbrannt.

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Müll- Entsorgung

Auch jenseits der „Five S“ gibt es vieles , was umständlich und mühsam ist. Der bürokratische Aufwand und das Ausfüllen sämtlicher Bücher und Bescheinigungen nimmt einen Großteil der Arbeitszeit in Anspruch.

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Ntabuli, die Kreißsaal- Leitung bei der Schreibarbeit – trotzdem immer für ein Schwätzchen zu haben

Für mich wirkt es, als ob alles doppelt und dreifach eingetragen und ausgefüllt werden muss. Aber das gehört wohl zu den Nachweispflichten gegenüber den Behörden, Versicherungen und Geldgebern.

Auch mit den Wöchnerinnen ist es nicht immer einfach: wir haben gerade zwei kleine Frühgeborene, die zwar beide immerhin knapp 2 Kg wiegen, aber doch noch sehr Wärme- und Pflegebedürftig sind. Sie waren beide aus dem gleichen Ort, an zwei aufeinander folgenden Tagen gekommen – beide mit Malaria und Typhus. Deshalb waren die Kinder auch zu früh geboren, glücklicherweise nur wenige Wochen. (Bei einer der Schwangeren war ich mit dem Fahrer zum Abholen zu der örtlichen Dispensary gefahren, mitten im Regen. Die Straße war eine Mischung aus Glatteis und Schmierseife…)

Ich hatte den Mamas ein Filmchen über „Känguru- Pflege“ gezeigt und sie zu dieser Methode angeleitet – was nachweislich einen sehr guten Einfluss aus die Gewichtsentwicklung kleiner Säuglinge hat.

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Natürlich wird ausschließlich gestillt

 

 

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Mama- Känguru und Baby- Känguru

Aber wenn ich aus dem Zimmer draußen war, haben sie die Babys wieder in Decken gewickelt und neben sich auf das Bett gelegt.

Allerdings hat ihnen Ntabuli dann „den Kopf gewaschen“ und immer wenn ich heute vorbei gekommen bin, saßen zwei strahlende „Känguru- Mütter“ im Zimmer. Die Gewichte haben sich auch gebessert und wenn der Malaria- Nachweis negativ ist, dürfen sie nach Hause.

Einen kleinen, persönlichen Kampf fechten wir täglich mit einer Kolonie Ameisen aus, die neben unserer Spühle wohnen und gerne im abgewaschenen Geschirr oder in den Spühllappen rumkrabbeln – zum Glück beißen sie nicht. Wir haben schon diverse Tricks ausprobiert und zum Beispiel ist unsere Kompostschüssel sehr raffiniert schwebend ins Fenstergitter geklemmt. Aber es ist jeden Morgen spannend, ob wir gewonnen haben oder die Ameisen…

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Diesmal haben die Ameisen gewonnen und noch was zum essen gefunden

 

 

 

 

Heilplanzen- Projekt

Mir ist beim Durchlesen (abgesehen von etlichen Schreibfehlern) aufgefallen, dass ich die Berichte von Stephans Arbeit sträflich vernachlässigt habe. Deshalb geht es jetzt in diesem Eintrag um das Heilpflanzen- Projekt (und nur ganz kurz ums Krankenhaus).

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Alles Handarbeit. Brach liegende Beete werden für die Aussaat vorbereitet

Der Garten ist dabei, sich (wieder) zu dem Schmuckstück zu entwickeln, das er vor 2 Jahren war, als ich das erste Mal nach Isoko kam. Damals war die Initiatorin und Zuständige für das Heilpflanzenprojekt, Rehema Mwakalo, erst kurz zuvor verstorben. Sie war von der deutschen Organisation „Anamed“ ausgebildet worden, die tropische Heilpflanzen systematisch untersucht und überall auf der Welt Menschen in deren Gebrauch schult. Asikisie, der jetzige Gärtner und ein Kollege von ihm haben letztes Jahr, unterstützt von Mission 21, auch ein Anamed- Seminar besuchen können. Allerdings wird im Moment nur ein Gärtner bezahlt und der bekommt auch nur „einen Appel und ein Ei“ für seine Arbeit. Aber er hat sehr treu sein Bestes getan und einen Grundstock aufrecht erhalten können.

Es ist sehr schön zu sehen, mit welcher Motivation und Freude die drei, Asikisie, Daima (der Übersetzer) und Stephan bei der Arbeit sind und was sich schon alles verbessert hat.

Von der Artemisia- Ernte und Trocknung auf den schönen neuen Gestellen, hatte ich schon weiter unten geschrieben. Das hat noch gut geklappt vor dem Regen und es kann noch mehr geerntet werden, wenn ein paar trockene Tage absehbar sind. Artemisia ist die wichtigste Pflanze im Heilpflanzengarten, weil sie sehr vielseitig zur Stärkung der Immunabwehr eingesetzt werden kann, gegen Malaria hilft und Symptome von AIDS lindern kann.

Jetzt sind vor allem Neupflanzungen dran. Artemisia wird über Stecklinge vermehrt und diese brauchen viel Zuwendung:

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Die Kinderstube der Artemisia- Pflanzen, einschließlich Beregnungsanlage

Damit sie nicht austrocknen, haben die Gärtner ein Sonnenschutz- Dach konstruiert:

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Sonnendach und Schutz vor Platzregen

Aber nicht nur Artemisia wird angebaut, sondern auch normales Gemüse zum Eigenverbrauch und zum Verkauf an die Angestellten des Krankenhauses. Viele Gemüsesorten sind ja auch Heilpflanzen, wie zB die Zwiebel.

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Daima beregnet das Zwiebel- Möhrenfeld. Der neue Schlauch tut gute Dienste!

Wir hatten in Mbeya etliche Samen gekauft und der Garten dient jetzt auch dazu, für Isoko passende Gemüsesorten auszuprobieren und Anbau- Methoden und Mischkulturen zu testen und sichtbar zu machen.

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Die Zucchini- Pflänzchen lassen sich gut mit einem großen Blatt beschatten
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Beschriftung der Aussaatreihen ist auch wichtig: Stöckchen und dicker Handwerker- Bleistift (Werbegeschenk aus Stephans Arbeitsstelle) reichen völlig aus

Für die nächste Zeit gibt es folgende Herausforderungen und Pläne:

  • Entwicklung neuer „Produkte“ außer Artemisia- Tee
  • bessere Vermarktung
  • Anstellung eines weiteren Gärtners und Einkommens- Verbesserungsmöglichkeiten für die Gärtner
  • Seminare und Schulungen (zuerst einmal) für das Krankenhauspersonal in verbesserten Anbaumethoden für die Hausgärten und Felder
  • Schulung der Ärzte in der Wirkung der Heilpflanzen und deren Anwendung

Vor wenigen Wochen konnten wir Michael Mwakalo kennenlernen, den Sohn von Rehema Mwakalo. Er leitet das Waisen- Unterstützungsprojekt der Brüdergemeine in Matema und hat dort auch einen Heilpflanzengarten angelegt.

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Michael bei seinem Besuch in Isoko anlässlich des Treffens der Süd- Tansanischen Waisenprojekt- Koordinatoren (siehe Blogeintrag unten)

Michael ist in seinem Projekt neue, hochinteressante Wege gegangen und ist sehr an einer Kooperation mit Isoko interessiert. Matema liegt direkt am Lake Malawi und hat ein ganz anderes Klima als Isoko. Dort wachsen Pflanzen, denen es in Isoko zu kalt ist und umgekehrt. Michael ist in der Vermarktung der Produkte schon um einiges weiter als Asikisie (und spricht sehr gutes Englisch) und beide Projekte könnten sehr von einer Zusammenarbeit profitieren. Die erwirtschafteten Einkünfte finanzieren in Matema die Unterstützung der Waisen und Witwen, in Isoko kommen sie dem Krankenhaus zugute.

Michael plant, demnächst noch einmal hierher zu kommen und wir wollen dann mit ihm nach Matema fahren und vor Ort Weiteres besprechen (und im Lake Malawi schwimmen gehen :-)).

Stephan hat einige Informations- Filme vorbereitet, mit denen er Seminare für das Krankenhaus- Personal halten kann. Alle Angestellten haben natürlich Felder und Hausgärten, da ausschließlich vom Arbeitslohn niemand leben kann. Das steile Gelände hat seine eigenen Herausforderungen und manche Gewohnheiten richten mehr Schaden an, als dass sie Nutzen bringen.

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Laub und Ästchen werden verbrannt – sie könnten gut als Kompost und Mulch- Material dienen

Manche Hänge haben schon sehr gute Terrassen und die Böschungen sind mit Graspflanzen „gesichert“, die gleichzeitig Futter für das Vieh sind.

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Abschnitte und „Stützen“ quer zum Hang halten Erde und Wasser zurück

Manche Hänge sehen aber so aus:

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Hier (im vorderen Feld) sind die Grasreihen längs zum Hang angelegt – Wasser und Erde können ungebremst abfließen

Auch die Anlage von Mischkulturen könnte noch gefördert werden – in den Feldern und Gärten und auch in den Baumplantagen, die fast nur aus einer Pinienart bestehen.

Ein Traum von uns beiden wäre, dass die Ärzte des Krankenhauses auf die Heilpflanzen hinweisen und so vielleicht sogar der Verbrauch von Antibiotika gesenkt werden könnte. Schau’n wir mal, was sich in den paar Monaten machen lässt.

Soweit mal Stephans Projekte.

Jetzt muss ich doch noch kurz von einem Geburts- Erlebnis berichten: morgens musste ein Kaiserschnitt gemacht werden und während Dr. Kita gerade schneidet, geht plötzlich das Licht aus – Stromausfall! Glücklicherweise war es einigermaßen hell, so dass er das Baby erst einmal schnell rausholen konnte. Später haben sie den OP- Tisch direkt unter das Fenster gezogen, um besseres Licht zu haben.

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OP- Tisch direkt vor das Fenster gezogen, die schönen Lampen sind nutzlos…

Ich habe Dr. Kita gefragt, was sie denn machen, wenn das in der Nacht passiert: dann werden Taschenlampen benutzt, notfalls das Handy- Licht. „Aber das kommt ganz selten vor“. Hoffen wir es mal…

Dem Baby ging es übrigens glücklicherweise einigermaßen gut. Wir haben es dick eingepackt, da die Wärmelampe im Kreißsaal- Baby- Bett natürlich auch ausgefallen ist. Es hat sich gut erholt und ist jetzt fit und munter!

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Baby darf noch die Narkotika- Reste ausschlafen – dick eingemummelt

In Deutschland hätte man es dem Papa nackt auf die Brust gepackt – davon ist man hier leider weit entfernt. Der Vater (wenn es einen gibt) bekommt sein Baby oft erst zu sehen, wenn die Mutter wieder nach Hause fahren konnte. Und die weibliche Verwandtschaft ist mit Feuer machen und kochen beschäftigt…

 

 

Kafule

Heute war in der Geburtenstation Berichts- Tag für den vergangenen Monat. Vier Krankenschwestern/Hebammen saßen den ganzen Vormittag um den Tisch im Büro des Wochenbettzimmers, haben Statistik- Bücher ausgefüllt und sind das Geburtenbuch unter verschiedenen Aspekten 100x durchgegangen. Der Kreißsaal war glücklicherweise leer, ich habe geputzt, mich um die Wöchnerinnen gekümmert und hatte dann Zeit für eine ausführliche Besprechung mit Asha, der Pflegedienstleitung. Wir haben das erste Projekt zur Qualitätsverbesserung vorbesprochen und das entsprechende Formular ausgefüllt. Nächste Woche trifft sich das „Qualitätsverbesserungs- Team“ wieder, da wollen wir mal die QM- Methode „Ishikawa“ – „Fischgräten- Diagramm“ ausprobieren. Ich bin sehr gespannt, ob und wie das klappt.

Aber das gibt mir heute Nachmittag die Zeit, über unseren schönen Sonntag in Kafule zu berichten. Der Postmaster und Allround- Handwerker Mr. Mbughi hatte uns eingeladen, den etwa 3/4 Stunde Fußweg entfernten Nachbarort von Isoko zu besuchen und am Gottesdienst der dortigen Herrnhuter Gemeinde teilzunehmen.

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Auf dem Weg nach Kafule, hinten im Bild die Kirche

Sein Sohn Noel (ja, am 25.12. geboren) hat uns abgeholt und zu sich nach Hause gebracht. Mbughis Wohnzimmer ist wirklich sehenswert. Eingerichtet in tansanischer Gemütlichkeit: Polstersofas mit Stoffdeckchen und einem Tisch dazwischen, an der Wand ein Glasschrank mit kleinem Fernseher obendrauf und einer Radio-/CD- Anlage, in den sonstigen Fächern Plastikschüsseln und ähnliches, in einer Ecke ein großes Plastik- Wasserfass, kahle Wände (sonst hängt dort manchmal eine gerahmte Fotografie oder ein Poster: Jesus mit flammendem Herz). Aber die Decke! Sie ist mit Stuck verziert, wie in einem Königspalast. Diese Kombination ist höchst interessant…

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„Schloss Kafule“

Wir bekamen (sehr ölige) Chapatti zum Frühstück und wurden dann dem Pfarrer vorgestellt. Wir sind als Ehrengäste mit ihm zusammen durch die Sakristei eingezogen und durften auch vorne auf Stühlen sitzen – dafür war ich sehr dankbar, denn die Gemeinde sitzt nur auf lehnenlosen Bänken, 2 bis 3 Stunden lang. Der Gottesdienst verlief in etwa so, wie in Isoko, mit viel schönem, schwungvollem Chorgesang, stundenlangen Mitteilungen an die Gemeinde, einer aufbrausenden, langen Predigt, Gebeten und Kollektensammlung.

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Der „große“ Kirchenchor. Dieses Bild ist unserer Königsfelder Chorleiterin gewidmet – ihr fehlt eindeutig so ein toller Taktstock! (Obwohl es dann vielleicht für die Sängerinnen in der ersten Reihe gefährlich wird…)
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Unsere Liturgen- Stühle sind leider nicht so bequem, wie dieser. Vielleicht ein Verbesserungsvorschlag für unsere Gemeinden in Deutschland?

Von den Chören haben wir Geschenke bekommen: Stephan einen recht passenden, stabilen Gras- Hut und ich diesen schönen Kitenge mit Rhinozerossen drauf

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Vor der Kirche. Der mit dem schönen Mickey- Mouse- Schlips ist Mr. Mbughi

Danach gab es Essen im Pfarrhaus – dessen Zimmer haben gar keine Decke, man schaut direkt auf das Wellblech der Dachabdeckung…

Später konnten wir noch an der Chorprobe des Jugendchores teilnehmen. Der Leiter ist einer der Angestellten aus dem Krankenhaus, hoch musikalisch. Alles muss auswendig gelernt werden, es gibt nur eine Textabschrift (die hat der Chorleiter am Keyboard) und keine Noten. Das macht sicher einen Teil der mitreißenden Aufführungen aus – in unseren deutschen Chören kleben alle Sänger- Augen an den Notenblättern…

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Die Choreographie ist ebenso mitreißend und einfacher, als befürchtet: einfach nachmachen, was die vordere Reihe macht und sich auf den Rhythmus einlassen. Eine wunderbare Art, zu singen!

Danach haben wir „Kafule Secondary School“ besichtigt, ein sehr schönes, gepflegtes Gelände und vergleichsweise kleine Klassen: bis 50 Schüler.

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Ein Blick in den Bio- Unterrichtsraum

Ein Höhepunkt am Ende des Tages war das Fußballspiel Kafule gegen Isoko, ausgetragen auf dem Sportfeld unterhalb der Schule. Seitenlinien gibt es keine, abgepfiffen wird nur, wenn der Ball zu weit den Berg hinunter rollt. Schiedrichter (im weißen AIDS- Hilfe T- Shirt) ist Silvester Mgimba, der Assistenzarzt vom Krankenhaus und auch sonst spielen viele Bekannte mit.

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Am nächsten Tag erfahren wir: Isoko hat 4:1 gewonnen
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Die Tribüne mit Sitz- und Stehplätzen des gastgebenden Vereins

Es war sehr schön, die Nachbargemeinde kennenzulernen. Wie bisher überall in Tansania wurden wir sehr freundlich willkommen geheißen und aufgenommen.